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Spätestens seit dem Fail von Guttenberg ist klar: Copy & Paste ist kein Kavaliersdelikt. Doch selbst dem, der fremde Inhalte mit Quellenangabe zitiert, können rechtliche Konsequenzen drohen. So ist es Jochen Krisch, Herausgeber des beliebten E-Commerce-Fachblogs „ Exciting Commerce“ ergangen: Er hatte für einen Beitrag einen Text von Welt Online zitiert – und wurde deshalb von der Axel Springer AG inklusive Schadenersatzforderung abgemahnt. Ein Fall, der Schule machen könnte.

Copy & Paste ist kein Kavaliersdelikt. Doch selbst dem, der mit Nachweis zitiert, können rechtliche Konsequenzen drohen.

Copy & Paste ist kein Kavaliersdelikt. Doch selbst dem, der mit Nachweis zitiert, können rechtliche Konsequenzen drohen.

Die Zitat-Diskussion Springer versus Exciting Commerce zeigt, wie schnell das Bloggen mit Verweisen auf fremde Texte zur teuren Sackgasse werden kann. Denn wenn Schadenersatzforderungen gestellt werden, geht es immer auch empfindlich an den eigenen Geldbeutel. Mit einer entsprechenden Berufshaftpflichtversicherung können sich Blogger, Texter und Journalisten jedoch gegen diese finanziellen Risiken absichern. Welche spezifischen Leistungen sie erfüllen muss, möchte ich heute erklären.

Statt Hinweis macht die Rechtsabteilung mit einer Abmahnung Druck

Und das ist der konkrete Fall: Für einen Artikel auf „Exciting Commerce“ hatte Krisch eine längere Textpassage von Welt Online aus dem Jahr 2008 übernommen – der digitalen Ausgabe der Zeitung „Die Welt“ des Springer-Verlags. Um den Inhalt als Zitat zu kennzeichnen, setze Krisch einen Link auf die Seite und damit auf die Quelle. Offensichtlich war das jedoch nicht genug: Denn nun flatterte dem Herausgeber ein Schreiben der Rechtsabteilung des Medienhauses zu – inklusive Schadenersatzforderung.

Ein Vorgehen, das in der Blogger-Szene auf wenig Begeisterung stößt: Denn dass der Verlag ohne Vorwarnung so harte Geschütze auffährt – anstatt wie üblich erst mal eine Mail mit dem Hinweis auf unrechtmäßige Nutzung des Inhalts an Krisch zu verschicken – halten viele für schlichtweg überzogen.

Verdacht: Es geht um eine neue Einnahmequelle durch Lizenzen

Und es legt den Verdacht nahe, dass es um mehr geht, als nur darum, ausführliche Zitierungen der eigenen Springer-Medien zu unterbinden: Nämlich um eine neue Einnahmequelle.

Denn in dem Schreiben der Springer-Rechtsabteilung an Jochen Krisch steht nicht nur die Forderung nach Schadenersatz – sondern auch ein Angebot für einen „längerfristigen Lizenzvertrag“. Dann wäre die Springer AG auch bereit, ihm bei der Höhe des Schadenersatzes entgegenzukommen, heißt es weiter. Ein Angebot, das Jochen Krisch „dankend abgelehnt“, wie er auf seinem Fachblog Exciting Commerce schreibt.

Inhalte verbreiten – aber nur gegen entsprechende Bezahlung

Was sie persönlich von dieser „neuen Einnahmequelle“ halten, machen die Blogger von Exciting Commerce öffentlich deutlich. So wird Autor Marcel Weiss auf dem Portal Netzwertig.com zitiert: „Der Springer Verlag testet schon mal, wie so ein Leistungsschutzrecht für die Presse in der Realität aussehen könnte.“ Und er verweist auf einen aktuellen ähnlichen Fall, in dem der Verlag Schadenersatz von einem Münchner Journalisten fordert.

Auch Herausgeber Jochen Krisch zieht seine Konsequenzen: Künftig, so schreibt er, wird Exciting Commerce die Publikationen der Axel Springer AG nicht mehr als Quelle nutzen, sich weder direkt noch indirekt auf deren online gestellte Inhalte beziehen, nicht mehr auf Pressemitteilungen zurückgreifen – und damit auch nicht mehr kostenfrei auf deren Aktivitäten und die ihrer Tochterunternehmen hinweisen. Eindeutige Worte als Seitenhieb gegen das „übermotovierte“ Medienhaus.

Berufshaftpflichtversicherung (Media-Haftpflicht) bietet Absicherung

Bei aller Diskussion – Fakt ist: In der Praxis geht es für Blogger, Journalisten und Texter nicht ohne Zitate.

Deshalb sollten sie sich von vorneherein gegen rechtliche Drahtseilakte wappnen – und mit einer entsprechenden Berufshaftpflichtversicherung (die sogenannte Media-Haftpflicht) zeitgemäß absichern. Diese bietet dem Blogger und Texter in zweifacher Hinsicht Schutz. Die Berufshaftpflichtversicherung übernimmt die Zahlung von Schadenersatzforderungen, aber auch die Kosten für die Abwehr ungerechtfertigter Schadenersatzansprüche, Abmahnungen, Unterlassungserklärungen oder Verfügungen.

Was ist bei der Absicherung zu beachten?

Wer eine solche berufliche Versicherung als Blogger, Texter oder Journalist abschließt, sollte darauf achten, dass vor allem folgende spezifischen Leistungen in der Berufshaftpflichtversicherung enthalten sind:

  • Rechtsverletzungen, wie Urheberrechtsverletzungen, Lizenz-, Marken-, Namens-, Persönlichkeits-, Wettbewerbs- und Datenschutzrechtsverletzungen, müssen in der Berufshaftpflichtversicherung eingeschlossen sein.
  • Der Versicherungsschutz sollte auch dann gelten, wenn der Versicherte grob fahrlässig handelt.
  • Eine Vorabprüfung der Texte durch einen Anwalt sollte keine Bedingung der Versicherung sein.
  • Ein guter Versicherer übernimmt im Rahmen des „Passiven Rechtsschutzes“ auch die Kosten für Anwälte, Gutachten, Zeugen und Gerichte – und natürlich auch den Schadenersatz in Höhe der versicherten Versicherungssumme.

Weiterführende Links und Quellen

3 Antworten auf “Trotz Quellen-Link: Blogger muss Schadenersatz an Springer-Verlag zahlen”

  1. […] Trotz Quellen-Link: Blogger muss Schadenersatz an Springer-Verlag zahlen Vorsicht beim Übernehmen von fremden Texten, auch wenn Quelle an gegeben ist! […]

  2. Carsten sagt:

    Beim Zitieren gilt es das Urheberrecht zu beachten. Darin verankert sind auch Schranken zugunsten der Allgemeinheit. Unter anderem gibt es demzufolge auch ein sogenannten Zitatrecht.

    Nun wäre es allerdings falsch, daraus ableiten zu wollen, einfach ganze Textpassagen zu kopieren. Wie immer bei Juristen sind die Grenzen des Erlaubten allerdings nicht klar abgesteckt. Klar ist hingegen, dass das Zitat durch An- und Abführungen gekennzeichnet sowie die Quelle unmissverständlich genannt sein muss. Ein reiner Link reicht nicht aus.

    Schwieriger wird die Frage nach dem Umfang dessen, was man zitieren darf. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich – und variiert sicherlich auch von Gericht zu Gericht.

    Keinesfalls darf der zitierte Text aber für sich alleine stehen. Er muss immer in einem größeren Ganzen eingebettet sein. Also ein Text, der aus schöpferischen Gesichtspunkten (in diesem Fall) dem Blogger zuzurechnen ist.

  3. Ja das ist der Dank dafür, dass Foren, Blogger und andere kleine Webseiten den großen Portalen den Traffic zuführen, indem sie in Diskussionen und Beiträgen auf themen der großen Portale hinweisen und auf diese verlinken.
    Im Artikel hier: http://www.online-news-center.info/panorama/gesellschaft-soziales/47192-die-7-s%C3%A4ulen-des-e-recht.html wird nochmal auf die sogenannten “7 Säulen des E-Recht” hingewiesen. Lesenswert für jeden, der im eBusiness & eCommerce Bereich tätig ist und im Internet Geld verdienen möchte.

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