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„Die fetten Jahre sind vorbei“ – mit dieser Überschrift betitelte die taz in ihrer Online-Ausgabe das Urteil des OLG Düsseldorf zum Beuys-Urheberrechtsstreit, das in der Kunstszene vergangene Woche für Entsetzen gesorgt hat. Und das ist nicht mal so weit hergeholt: Denn die Entscheidung des Gerichts könnte die Rechte von Fotografen an ihren Abbildungen von öffentlichen Auftritten in Zukunft empfindlich einschränken – und eine ganze Lawine an Verboten auslösen.

Entsetzen in der Kunstszene und bei freiberuflichen Fotografen nach dem Urteil des OLG Düsseldorf: Die  Entscheidung, ob Fotos von Aufführungen und Happenings veröffentlicht werden dürfen, liegt in der Hand des Künstlers – und nicht der der  Fotografen. Die Folge könnte eine Lawine an Verboten sein.

Entsetzen in der Kunstszene und bei freiberuflichen Fotografen nach dem Urteil des OLG Düsseldorf: Die Entscheidung, ob Fotos von Aufführungen und Happenings veröffentlicht werden dürfen, liegt in der Hand des Künstlers – und nicht der der Fotografen. Die Folge könnte eine Lawine an Verboten sein.

Natürlich hat der Rechtsstreit mein Interesse geweckt – schließlich habe ich als Versicherungsmakler häufig mit Fotografen zu tun. Und dieser Fall zeigt erneut, wie schnell Fotojournalisten und Bildagenturen im Alltag in rechtliche „Fettnäpfchen“ tappen können. Worum es bei dem Streit um die Fotos von der Beuys`schen Fettflecken-Performance geht und was das haftungsrechtlich für Fotografen bedeuten kann, will ich deshalb in meinem Blog aufrollen. Mein Fundstück der Woche.

Erbitterter Rechtsstreit um 18 Schwarzweißaufnahmen von Beuys

Gerade mal 18 Fotos sind es, um die sich seit Jahren ein anstrengender, langwieriger – und auch etwas bizarrer – Rechtsstreit dreht. Es sind Schwarzweißaufnahmen des Künstlers Manfred Tischler, die er 1964 von dem Künstler Joseph Beuys während der ZDF-Sendung „Drehscheibe“ gemacht hat. In dem Düsseldorfer ZDF-Studio dokumentierte Tischler damals, wie Beuys live aus Margarine-Riegeln eine Fettecke herstellte, mit Schokolade ein Transparent malte und einen Spazierstock mit Fett verlängerte.

Das war im Jahr 1964 – und damals schien die Welt noch in Ordnung zu sein. 2009 war sie das nicht mehr. Denn in diesem Jahr veröffentlichte die Stiftung Museum Schloss Moyland (die übrigens mit annähernd 6.000 Arbeiten die weltweit größte Sammlung an Werken von Joseph Beuys besitzt) genau jene 18 Schwarzweißaufnahmen, die Tischler damals von Beuys gemacht hatte. Der Fotograf war ein Jahr zuvor gestorben. Titel der Ausstellung „Joseph Beuys – Unveröffentlichte Fotografien von Manfred Tischler“.

Eva Beuys, die Witwe des 1986 verstorbenen Künstlers, war davon wenig begeistert und klagte vor Gericht. Es war der Beginn eines erbitterten Rechtsstreits der mittlerweile seit drei Jahren geht und nun mit dem Urteil des OLG Düsseldorf sein vorläufiges Ende gefunden hat.

Urteil: Über veröffentlicht der Fotos entscheidet nicht der Fotograf, sondern der Künstler

Auch in zweiter Instanz entschied das Gericht zugunsten der Witwe nun Ende Dezember: Ohne deren Genehmigung darf die Stiftung die Fotoserie nicht ausstellen. Seine Entscheidung begründete es damit, dass die Aufnahmen der Aktion als Bearbeitung der Kunstwerte von Beuys gelten. Somit darf nicht der Fotograf (bzw. Besitzer) des Bildes selbst über die Veröffentlichung des Bildes – zum Beispiel in einer Ausstellung – entscheiden, sondern der Künstler selbst. Und falls er verstorben ist, wie im Fall von Beuys, eben seine Erben.

Wörtlich heißt es dazu in dem Urteil des OLG Düsseldorf (Aktenzeichen 12 O 255/09): „Es liegt vielmehr eine unzulässige Verwertung einer Umgestaltung gemäß § 23 UrhG vor. Unabhängig von der Frage, ob die Verwertung in Form einer Umgestaltung oder Bearbeitung erfolgt, bedarf es in beiden Fällen der Zustimmung des Schöpfers (BGH, GRUR 1985, 529 – Happening).“

Das bedeutet: Wenn es um Aufnahmen von dynamischen Aufführungen, Happenings, Live-Performances geht, können Fotografen über ihre eigenen Bilder nicht frei verfügen – sie haben kein Recht, über deren Veröffentlichung zu entscheiden. Und das betrifft nicht nur Aufnahmen eines Künstlers, der Fett in eine Ecke schmiert, sondern auch Theateraufführungen, Musikdarstellungen, etc.

Damit sorgt das Urteil für Entsetzen in der Kunstszene – und natürlich bei allen freiberuflichen Fotografen sowie Agenturen, deren Existenzgrundlage es ist, die eigenen Aufnahmen weiterzuvermarkten.

Denn in der Praxis ist es betriebswirtschaftlich für Fotografen fast unmöglich, sich allein für die reine Dokumentation und gegen die Weitervermarktung von Abbildungen (z.B. in einer Ausstellung oder einem Bildband) zu entscheiden.

Media-Haftpflicht schützt freiberufliche Fotografen bei Rechtsverletzungen

Eine zeitgemäße und bedarfsgerechte Vermögensschadenhaftpflicht, die auf die Bedürfnisse von Medienschaffenden zugeschnitten ist – auch Media-Haftpflicht genannt – kann freiberufliche Fotografen und Agenturen in solchem einem Fall schützen. Denn sie springt ein, wenn in der Praxis die Rechte von Dritten verletzt werden.

Dafür sollte sie gewisse Kriterien erfüllen:

  • Zur umfassenden Absicherung gehört ein Versicherungsschutz bei Urheberrechtsverletzungen, Markenrechtsverletzungen und Lizenzrechtsverletzungen, Namensrechtsverletzungen und Persönlichkeitsrechtsverletzungen , Wettbewerbsrechtsverletzungen sowie bei der Verletzung von Datenschutzgesetzen.
  • Dieser Versicherungsumfang sollte auch im Fall grober Fahrlässigkeit gelten. Eine vorherige Prüfung von Inhalten durch Fachkräfte (z.B. Anwälte) oder eine explizite „Freizeichnung“ durch den Kunden darf nicht vorgeschrieben sein.
  • Die Vermögensschadenhaftpflicht sollte den sogenannten Passiven Rechtsschutz beinhalten, etwa für Abmahnungen, einstweilige Verfügungen und Unterlassungen. Denn dadurch übernimmt der Versicherer einerseits die Kosten für den entstandenen Schaden, andererseits kommt er aber auch für alle Kosten auf, die mit der Schadenabwehr verbunden sind (= Anwalts-, Sachverständigen-, Zeugen-, Gerichts-, Reisekosten).

Seit 2009: Umstrittene Fotos vor der Öffentlichkeit verschlossen

Zum Fall Beuys bleibt zu sagen: Ob die Stiftung in Revision geht und der Rechtsreit in letzter Instanz vor dem Bundesgerichtshof landet, das steht derzeit noch in den Sternen. Sollte sich der BGH jedoch den ersten beiden Gerichtsurteilen anschließen, dann sollten sich freiberufliche Fotografen darüber bewusst sein, dass es ein „rechtliches Fettnäpfchen“ mehr gibt, in das sie tappen können.

Unabhängig von der rechtlichen Auseinandersetzung: Nach Berichten aus der Kunstszene liegen die Beuys-Witwe und die Stiftung bereits seit längerer Zeit im Clinch – auch aus anderen Gründen.

Für Liebhaber der Kunst und des Wirkens von Beuys ist der aktuellste Streit so oder so ein Verlust. Denn nach einer einstweilogen Verfügung mussten die Aufnahmen 2009 aus der Ausstellung entfernt werden. Seitdem lagern sie nun im Archiv des Beuys-Museum Schloss Moyland am Niederrhein. Seitdem ist – zumindest ein Stück – der Kreativität zweier wichtiger Personen der Kunstgeschichte für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Schade. Denn eine Aufzeichnung der Sendung existiert nicht mehr.

Weiterführende Informationen zum Beuys-Urheberrechtsstreit

Weiterführende Infos zum Thema Fotografie und Rechtverletzungen

3 Antworten auf “Wenn Fotografen ins Fettnäpfchen tappen: Der Beuys-Urheberrechtstreit und seine Folgen”

  1. [...] Informationen Wenn Fotografen ins Fettnäpfchen tappen: Der Beuys-Urheberrechtstreit und seine Folgen Warum Fotojournalisten und Bildagenturen das Thema Rechtsverletzungen vor der Linse haben sollten [...]

  2. Tuchard sagt:

    Der BGH Karlsruhe hat gestern, 16.5.2013, die Verurteilung aufgehoben.

  3. Vielen lieben Dank für den Hinweis.

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