Über Ralph Günther

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Es ist eine Nachricht, die in den vergangenen Wochen viele IT-Freiberufler bis ins Mark erschüttert hat: Die Reutax Gruppe hat Insolvenz angemeldet. Eine Katastrophe für die betroffenen Freiberufler (viele davon noch im Projekteinsatz), die sich plötzlich mit Fragen zur rechtlichen Beurteilung aber auch zu Schutz vor Forderungsausfällen auseinandersetzen mussten. Da ich mit meinem Versicherungsportal exali bereits mehrere tausend überwiegend freiberuflich tätige IT-Experten speziell in der IT-Haftpflicht versichert habe, erreichte auch mich und meine Mitarbeiter ein Sturm von Anrufen. Allen Gemeinsam war eine große Verunsicherung und die Frage, ob und welche Versicherungsmöglichkeiten es gibt, um Insolvenzrisiken abzusichern.

Reutax-Insolvenz – Schutz gegen Ausfälle & Forderungen: Ob und wie sich Freiberufler gegen Insolvenzrisiken absichern können. Eine Analyse.

Reutax-Insolvenz: Viele Freelancer wollen jetzt wissen, ob und wie sie ihre Insolvenzrisiken absichern können. Eine Analyse der Versicherungsmöglichkeiten.

Nachdem ich vergangene Woche die rechtliche Beurteilung in den Fokus gestellt habe, will ich im zweiten Teil zum Thema Licht in den Versicherungsdschungel bringen – und die Frage beantworten, wie Ihr Euch als Freiberufler im Ernstfall schützen könnt. Dazu analysiere ich die einzelnen Versicherungssparten im Hinblick auf die Absicherung von Insolvenzrisiken:

IT-Haftpflichtversicherung deckt nur bestimmte Eigenschäden

1. Die IT-Haftpflichtversicherung leistet in erster Linie einen finanziellen Ausgleich, wenn Ihr als IT-Experte einen anderen schädigt (z.B. Kunden/ Auftraggeber). Versicherungstechnisch spricht man dabei von einem Drittschaden. Wenn Ihr aufgrund des Ausfalls des Projektvermittlers auf Zahlungen sitzen bleibt, ist kein Dritter geschädigt sondern „leider“ nur Ihr selbst. In diesem Fall spricht man von einem Eigenschaden.

2. Teilweise gibt es bei der IT-Haftpflicht eine Erweiterung für bestimmte Eigenschäden. Dabei sind mir zwei Fälle bekannt die abgesichert werden können:

a) Das ist zum einen der Rücktritt vom Projektvertrag (veranlasst durch den Auftraggeber). Dabei könnt Ihr vergebliche Sach- und Personalkosten (auch das eigene Honorar) versichern. Jedoch setzt der Rücktritt vom Projektvertrag i. d. R. einen Werkvertrag voraus. Zudem tritt der Projektvermittler bei einer Insolvenz (oder der später bestellte Insolvenzverwalter) nicht vom Vertrag zurück. Somit ergibt sich kein Insolvenzschutz.

b) Der zweite versicherte Eigenschaden ist die außerordentliche Kündigung des Dienstvertrages. Jedoch ebenfalls nur, sofern der Auftraggeber ohne Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist den Vertrag aufhebt. Wie die Insolvenz von Reutax gezeigt hat, werden die Projektverträge bei einer Insolvenz nicht vom Projektvermittler oder Insolvenzverwalter außerordentlich gekündigt.

Zudem übernimmt die Eigenschadenversicherung in den aktuell angebotenen Lösungen nur das „Delta“ zwischen der außerordentlichen Vertragsaufhebung und dem Zeitpunkt, zu dem eine ordentliche Kündigung möglich gewesen wäre. Unterstellt man z.B. eine 14 tägige reguläre Kündigungsfrist und der Projektvermittler würde tatsächlich (entgegen der Praxis im Fall von Reutax) den Vertrag mit sofortiger Wirkung außerordentlich kündigen, hättet Ihr Anspruch für 14 Tage.

Bei der Reutax Insolvenz haben jedoch viele Freiberufler die Bezahlung für 3 Monate und mehr offen. Somit ist der Versicherungsschutz für außerordentliche Kündigungen für diese bestimmten Fälle ebenfalls nicht geeignet.

Fazit: Die IT-Haftpflichtversicherung kann daher keinen ausreichenden Schutz vor der Insolvenz des eigenen Projektvermittlers bieten.

Rechtsschutzversicherung übernimmt Kosten für das Forderungsmanagement

Wenn Ihr unter „Forderungsausfall“ recherchiert, stoßt Ihr auch schnell auf Angebote der Rechtsschutzversicherer. Die Angebote werden z.B. Inkasso-Rechtschutz oder Forderungs-Rechtsschutz genannt und sind i.d.R. Erweiterungen zu einem Firmenrechtsschutz-Vertrag für Selbständige/ Freiberufler.

Diese Zusatzversicherungen zielen jedoch nicht darauf ab, die offenen Rechnungen zu übernehmen, sondern die Kosten für die Beitreibung der Forderung (Mahnverfahren usw.) zu übernehmen. Die Versicherer bezeichnen dies als professionelles Forderungsmanagement.

Fazit: Leider ist im Falle einer Insolvenz mangels Masse i.d.R. nicht viel zu holen. Da ist die Übernahme der Forderungskosten durch die Rechtsschutzversicherung leider nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Warenkreditversicherung kann Insolvenzrisiken versichern

Die IT-Haftpflicht, wie auch die Rechtsschutzversicherer, können das Insolvenzrisiko von Projektvermittlern oder direkten Auftraggebern nicht sinnvoll versichern. Nach meiner Recherche kann dies nur eine so genannte Warenkreditversicherung.

Die Warenkreditversicherung bietet einfach gesprochen Versicherungsschutz bei Zahlungsausfällen durch gelieferte Waren oder Dienstleistungen (darunter fallen natürlich auch IT-Dienstleistungen) und behält sich dafür in Abhängigkeit vom Jahresumsatz eine prozentuale Risikoprämie ein. Dabei liegt der Einstiegsbeitrag nach meiner Recherche bei ca. 1.200,00 € p.a. zzgl. Versicherungssteuer bei einer maximalen Versicherungsleistung pro Jahr (auch Jahreshöchstentschädigung genannt) von 48.000,00 €. Aufgrund der Funktionsweise ist die Warenkreditversicherung (auch kurz WKV genannt) damit noch am ehesten mit dem so genannten Factoring zu vergleichen.

Soviel zur Theorie.

Doch muss ich gleich die Erwartungshaltung des ein oder anderen von Euch ein wenig einbremsen. Damit die Warenkreditversicherung das Risiko vernünftig absichern kann, gibt es in aller Regel zwei Voraussetzungen:

1. Der Versicherer muss die Bonität der einzelnen Schuldner (in diesem Fall Projektvermittler und ggf. Direktkunden) kennen und bewerten.

2. Der Versicherer muss einen geeigneten Ausgleich von guten und schlechten Schuldnern vornehmen können. Daher werden nicht einzelne Kunden versichert, sondern meist das ganze „Kundenportfolio“.

Zumindest Punkt zwei ist für Freiberufler schwierig. Denn oft arbeitet man im IT-Bereich länger Zeit für einen Projektvermittler. Somit gibt ergibt sich keine ausreichende Streuung des Risikos für den Versicherer.

Sollte der Freiberufler jedoch entgegen des allgemeinen Trends häufiger den Projektvermittler wechseln (was nach Punkt 2 gut für den Risikoausgleich wäre), stellt sich die Frage, ob das Projektvolumen jeweils so groß ist, dass der Versicherer betriebswirtschaftlich sinnvoll die Bonitätsprüfung bzw. Scoring zu den einzelnen Projekten der verschiedenen Projektvermittler vornehmen kann. Da kommt es dann wieder auf den Einzelfall darauf an…

Fazit: Aus den oben genannten Gründen sind die Angebote über eine Warenkreditversicherung nach meiner Recherche i.d.R. nicht optimal für den Einsatzbereich eines Freiberuflers. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuelle Reutax-Pleite etwas Bewegung in den Markt bringt. Ich werde mich ebenfalls umsehen und lass es Euch wissen, sobald ich Lösungen gefunden habe, die für Euch sinnvoll sind.

Und noch eine Anmerkung möchte ich machen (auch wenn diese für die Betroffenen nur ein geringer Trost ist). Nach meinen mehr als 10-jährigen Erfahrungen im IT-Projektmarkt sind derartige Ausfälle wie bei Reutax zum Glück Einzelfälle. Wenn ich an meine frühere Arbeit als allgemeiner Versicherungsmakler zurück denke, hatte ich leider einige Handwerker in der Betreuung, die regelmäßig mit Zahlungsausfällen der Kunden zu kämpfen hatten. In der IT-Brache sieht das aktuell zum Glück ganz anders aus.

» Insolvenz Reutax Gruppe: Welchen rechtlichen Fragen sich Freiberufler jetzt stellen müssen – Teil 1

2 Antworten auf “Insolvenz Reutax Gruppe: Wie sich Freelancer gegen Forderungsausfälle schützen können – Teil 2”

  1. Danke für diese ernüchternde Einschätzung. 😉

    Der Blick über den Tellerrand zu den Handwerkern relativiert die Inkasso-Probleme unserer Branche ganz gut. Ich kenne Handwerker, die bei Wareneinsatz (Fenster, Böden etc.) nur noch gegen Vorkasse arbeiten.

    Als Webdesigner berechne ich meinen Kunden in der Regel 50% Vorschuss bei Autragsbestätigung. Damit habe ich beste Erfahrungen gemacht, es trifft auf breite Akzeptanz.

  2. Tine sagt:

    Die aktuellen Zahlen der statistischen Bundesamts sind ermutigend: Mit 25.955 Insolvenzen im Jahr 2013 liegt die Zahl der Firmenpleiten um 8,1 Prozent unter dem Vorjahr. Bereits zum vierten Mal in Folge ist diese Zahl gesunken.Sie liegt inzwischen deutlich unter dem bisherigen Höchststand mit 39.320 Fällen im Jahr 2003. http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/unternehmensinsolvenzen-im-mittelstand-ruecklaeufig/

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