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Kontakte, Geschäftspartner, Austausch: Wer als Freiberufler professionell networken will, der kommt um Netzwerke wie Xing, LinkedIn & Co nicht mehr herum. Denn wo kann man Geschäftskontakte besser knüpfen, als in solchen Business-Netzwerken? Doch zwischen Kontaktaufnahme und werblicher Spam-Mail ist es ein schmaler Grat. Genau das wurde einem freiberuflichen Mediengestalter auf XING zum Verhängnis: Auf dem sozialen Netzwerk für berufliche Kontakte (wie XING sich selbst betitelt) stellte er per Mail eine Anfrage – kurz darauf flatterte ihm eine Abmahnung ins Haus…

Zwischen Kontaktaufnahme und werblicher Spam-Mail ist es ein schmaler Grat. Eine Erfahrung, die ein Freiberufler auf dem Business-Netzwerk XING machen musste…

Zwischen Kontaktaufnahme und werblicher Spam-Mail ist es ein schmaler Grat. Eine Erfahrung, die ein Freiberufler auf dem Business-Netzwerk XING machen musste…

Diese Woche dreht sich mein Blog um den Akquiseversuch, der ziemlich nach hinten losging. Und natürlich um die Frage: Wie können sich Freiberufler vor solchen Risiken schützen und welche Rolle spielt dabei der Passive Rechtsschutz in der Vermögensschadenhaftpflicht?

Kontaktanfrage führt zu Abmahnung

Was war genau passiert? Auf dem Business-Netzwerk XING hatte ein freiberuflicher Mediengestalter eines der Mitglieder angeschrieben. Inhalt dieser Mail: Ein allgemein formulierter Hinweis drauf, dass der Angeschriebene noch keinen Imagefilm auf seiner Homepage habe – und der freiberufliche Filmemacher ihn bei Bedarf gerne unverbindlich und kostenlos beraten würde.

Eine Mail, die dem Angeschrieben so gar nicht schmeckte. Und zwar so wenig, dass er seinen Anwalt einschaltete. Die Folge: Der freiberufliche Filmemacher bekam eine Abmahnung mit einer Unterlassungserklärung und natürlich der Forderung, die Kosten dafür zu übernehmen.

Gegenstandswert des Falls nebst Kostenpauschale: 7.500 Euro. Fällige Vertragsstrafe bei Zuwiderhandlung: 5.100 Euro.

Summen im mehrstelligen Bereich, das sind saftige Beträge, bei denen sich für mich persönlich die Frage stellt, ob man gleich so schwere Geschütze auffahren muss. Wenn ich mich in ein Karriere-/Business-Netzwerk eintrage um Geschäftskontakte zu pflegen, ist es nicht außergewöhnlich, wenn man solch eine relativ allgemein formulierte werbliche Anfrage bekommt.

Aus meiner Sicht hätte auch eine kürze Mail mit dem Betreff „Bin nicht interessiert. Bitte keine weitere Kontaktaufnahme“ völlig gereicht, um seinen Unmut darüber kund zu tun – und weitere Anschreiben zu unterbinden.

Übrigens: Viele die ich aus meinem Kontaktnetzwerk zum Thema befragt habe, sehen das ähnlich entspannt – und hätten nicht ihren Stab über dem Freiberufler gebrochen.

Abmahngefahr: Werbliche Anfragen auf XING gelten als Spam

Nichtsdestotrotz: Der Mediengestalter hatte die Abmahnung auf dem Tisch – und der Fall ging an den Versicherer seiner Vermögensschadenhaftpflicht.

Und wenn ich aus dem Nähkästchen plaudern darf: Auch die Anwälte in der Schadenabteilung des Versicherers waren einigermaßen verwundert über solch ein heftige Reaktion.

Doch auch sie hatten keine guten Nachrichten für den Freiberufler. Denn ob und wann es sich bei XING-Anfragen um direkte Werbung ohne Einwilligung – und damit Spam – handelt, das ist in den AGB des Netzwerkes unter Punkt 4 „Pflichten des Nutzers“ eindeutig festgelegt:

4.1 Der Nutzer ist verpflichtet, (….)

4.1.3 bei der Nutzung der Inhalte und Dienste auf den XING-Websites die anwendbaren Gesetze sowie alle Rechte Dritter zu beachten. Es ist dem Nutzer insbesondere untersagt, (…)
andere Nutzer unzumutbar (insbesondere durch Spam) zu belästigen (vgl. § 7 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb UWG), (…) sowie
wettbewerbswidrige Handlungen vorzunehmen oder zu fördern, einschließlich progressiver Kundenwerbung (wie Ketten-, Schneeball- oder Pyramidensysteme).

4.1.4 die folgenden belästigenden Handlungen zu unterlassen, auch wenn diese konkret keine Gesetze verletzen sollten:
Versendung von Kettenbriefen,
Durchführung, Bewerbung und Förderung von Strukturvertriebsmaßnahmen (wie Multi-Level-Marketing oder Multi-Level-Network-Marketing) (…).“

Im Klartext heißt das: Wird eine Werbenachricht an ein XING Mitglied geschickt, mit dem man selbst nicht in direktem Kontakt steht (also nicht verbunden ist), dann ist das als Spam einzustufen – und daher abmahnfähig.

So beschreibt und erklärt das auch Rechtsanwalt Sebastian Dramburg aus rechtlicher Sicht in seinem Artikel „Abmahngefahr: Spamming bei Xing & Co.“ auf Gründerszene.de. (Als Lesetipp für alle, die noch mehr Informationen zum Thema wollen).

Passiver Rechtsschutz: Versicherer drückt Abmahnkosten

Doch wie ging es im Fall des freiberuflichen Filmemachers weiter? Die Schadenspezialisten setzen sich rechtlich mit der Gegenseite auseinander. Am Ende konnten sie die Abmahnkosten deutlich reduzieren – jedoch nicht völlig aus der Welt schaffen.

Trotzdem zeigt der Fall eindrücklich, wie wichtig eine Vermögensschadenhaftpflicht für Freiberufler ist, die in medialen Bereichen unterwegs sind, in denen genauso viel Unklarheit über rechtliche Vorgaben besteht, wie es rechtliche Stolpersteine gibt.

Und zwar eine Vermögensschadenhaftpflicht inklusive der Leistung „Passiver Rechtsschutz“ . Denn das bedeutet: Im Schadenfall übernimmt der Versicherer nicht nur die Kosten für den letztendlich entstandenen Schaden (=Schadenzahlung), sondern wehrt im Rahmen des Passiven Rechtsschutzes auch unbegründete oder überhöhte Ansprüche von Dritten ab (=Schadenabwehr / Abwehrschutz).

Das Wichtige hierbei: Die Kosten für die Schadenabwehr trägt ebenfalls der Versicherer. Das sind beispielsweise alle Aufwendungen für Anwälte, Gutachter, Sachverständige, Zeugen und Gerichte (sowie dazugehörige Reisekosten). Tipp: Bei der Wahl ihres Vermögensschadenhaftpflicht-Versicherers sollten Freiberufler darauf achten, dass dieser das nötige Know-How mitbringt. Dazu gehört ganz klar auch ein Expertennetzwerk von Fachanwälten und Kanzleien (national und international) sowie von Gutachtern und Sachverständigen.

Und der Freiberufler? Er hatte seine bittere Lektion gelernt. Auf Anraten des Versicherers schrieb er allen XING-Mitgliedern, an die er eine Anfrage geschickt hatte, nochmals eine E-Mail, in der er sich für die werbliche Kontaktaufnahme entschuldigte…

Weiterführende Informationen

7 Antworten auf “Abmahnung nach Mailanfrage: Wenn die werbliche Kontaktaufnahme per XING teuer wird”

  1. Haas sagt:

    Ich finde man sollte die Menge der zugelassenen Rechtsanwälte begrenzen, dann gibt es nicht soviele arbeits-lose RAe und weniger, die mit sochen Abmahnorgien beschäftigt werden müssen. Wer in Xing ist, sollte eigentlich an Geschäftskontakten interessiert sein. Vertrieblich hatte der Kläger wohl nicht viel auf der Pfanne. An seiner Stelle hätte ich dafür gesorgt, dass meine Internetseite verbessert wird zu günstigen Konditionen, dann wäre beiden gedient. Vielleicht war der RA auch ein bedürftiges Familienmitglied. Ich bin nur froh, dass ich von meienm Netzwerk und den Empfehlungen leben kann. Aber die Ausnahmefälle kann man nun einmal nicht alle absichern.

  2. Herzlichen DANK für diesen Artikel. Ihr Einverständnis vorausgesetzt werde ich Ihren Blog auf devk-bo.de in die Blogroll aufnehmen. Ihnen eine schöne Zeit. Herzlichst Matthias Schlattmeier aus Bad Oeynhausen, dem Schwungrad Europas

  3. Heinfred sagt:

    Das war eine ganz klare Falle in die der Mediengestalter getappt ist! So könnte es sich ggf. zugetragen haben:

    Der Angeschriebene wurde höchstwahrscheinlich in der Vergangenheit schon diverse Male von anderen Mediengestaltern angeschrieben. Das hat ihn genervt. Vielleicht hat er früher immer so geantwortet wie oben beschrieben „Bin nicht interessiert.“ Irgendwann wurde es ihm zu bunt und er hat mit seinem „Freund“ dem Rechtsanwalt darüber gesprochen. Rechtsanwälte finden klingende Münze unbedingt attraktiv und so hat dieser ihm geraten „Lass uns fifty-fifty machen. Das geht folgendermaßen: Du wirst von solchen Leuten angeschrieben und die leitest Du gleich an mich weiter und ich mahne die ab. So ist uns beiden gedient.“ Zum Kotzen so eine Praxis! Das Xing-Mitglied hat den fehlenden Imagefilm als „Geldquelle“ für sich entdeckt. Imagepflege mal „andersherum“.

  4. Thomas Bottin sagt:

    Das empfinde ich ebenfalls als eine deutlich überzogenen Reaktion, zumal der Filmemacher ja sogar vorher recherchiert hat und dem Mediengestalter einen individuellen Mehrwert geboten hat. Wie wohl der Mediengestalter selber an neue Aufträge kommt? Auf jeden Fall ist der Hinweis auf eine Vermögensschadenhaftpflicht sehr wichtig, vielen Dank!

  5. Anne sagt:

    Hallo Herr Günther,

    meine Fragen: Wieso kann dieser Fall nicht über die Berufshaftpflich abgewickelt werden?

    Braucht man wirklich zusätzlich noch eine Vermögensschadenshaftpflicht, wenn ich keine Personen auf gewerblich anschreiben würde (wie im o.g. Fall beschrieben)?

    Vielen Dank.
    LG
    Anne

  6. Hallo Anne,

    sofern die Berufshaftpflicht auch Vermögensschäden wie Rechtsverletzungen abdeckt, kann der beschriebene Fall natürlich über die Berufshaftpflicht abgewickelt werden.

    Es gibt leider keine feste Definition, was eine Berufshaftpflicht beinhalten muss. Ich vertrete die Meinung, dass heutzutage in vielen Branchen (z.B. in der IT, in Medienberufen und der Beratung) die Absicherung von Vermögensschäden sehr wichtig ist. Der Titel meines Blogs spiegelt dies auch wieder. Die von mir angesprochene Vermögensschadenhaftpflicht kann je nach Anbieter ein fester Bestandteil der Berufshaftpflicht sein, oder muss als seperater Baustein mit eingeschlossen werden. Wenn man darauf achtet, hat man einen viel umfassenderen Versicherungsschutz.

    Wenn Sie keine Personen bei Xing im geschäftlichen Kontext anschreiben, sind Sie vor dem beschriebenen Fall gefeit.

    Denken Sie aber bitte daran, dass es viele andere Gründe geben kann, die bei einer selbständigen oder freiberuflichen Tätigkeit zu einem (reinen) Vermögensschaden führen können. Beispiele hierzu finden Sie auf meinen Blog zu Genüge 😉

    Liebe Grüße, Ralph Günther

  7. […] ich nicht als plausiblen Grund – und bin dabei wohl auch nicht allein. Eine zu werbende Kontaktanfrage kann sogar Grund für eine Abmahnung und teuer werden. Dieses gilt vor allem für Freiberufler, da […]

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