Über Ralph Günther

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Eigenmarketing – dabei kommt es nicht nur auf das WO an, sondern auch auf das WIE. Nicht umsonst bietet etwa die Businessplattform XING einen „Extra-Frame“ auf dem Profil, in dem ein kreativer Slogan gepostet werden kann. Für noch mehr persönliche Note, mit der die Aufmerksamkeit der Besucher für die eigene Person und / oder Dienstleistung geweckt wird. Dass der allerdings auch für eine Menge (rechtlichen) Ärger sorgen kann, diese Erfahrung machte eine Freiberuflerin: In ihrem Profil hatte sie einen griffigen Slogan gepostet – ohne jedoch zu wissen, dass es sich dabei um eine geschützte Wortmarke handelte. Und als ihr eine Abmahnung mit Kosten im vierstelligen Bereich ins Haus flatterte, staunte sie nicht schlecht…

Mit einem griffigen Slogan in ihrem XING-Profil, verletzte eine Freiberuflerin Markenrechte. Die Abmahnfalle schnappte zu – Berufshaftpflicht sprang ein.

Profil-Spruch auf XING wird zur Abmahnfalle: Warum ein kurzer Slogan eine Freiberuflerin fast eine 4-stellige Summe gekostet hätte.

„Klappe, die Dritte“ war mein erster Gedanke, als der Schadenfall vor wenigen Tagen auf meinem Schreibtisch landete. Denn er ist nicht der Erste teure Anspruch im Zusammenhang mit der Businessplattform XING. So wenig, wie Social Media mittlerweile aus dem Eigenmarketing von Freiberuflern wegzudenken ist, so groß ist der Aufklärungsbedarf rund um rechtliche Vorgaben und Abmahnfallen. Höchste Zeit also, denn Fall von hinten aufzurollen…

„Profiling“: Kreatives Social-Marketing hebt von der Masse ab

Sich als selbständiger Dienstleister auf einem nicht unumkämpften Markt von der „Masse“ abzuheben, ist nicht einfach – ein griffiger Slogan hier, ein witziger oder aufschlussreicher Spruch da, sind deshalb gute „Instrumente“, das eigene Profil zu schärfen.

Das dachte sich auch eine freiberufliche Beraterin mit dem Spezialgebiet Vorträge und Seminare: Auf ihrem XING-Profil präsentierte sie sich und ihre Dienstleistung mit einem griffigen Slogan, der nicht nur direkt ins Auge stach, sondern auch richtig ins Ohr ging.

Mit XING-Spruch und Webinar-Titel fremde Markenrechte verletzt

Sozusagen alles richtig gemacht – hätte sie nicht eine winzige aber umso bedeutendere Kleinigkeit „übersehen“. Denn die von ihr gewählte Wortkombination, die sie für pure Umgangssprache hielt, hatte sich ein Anderer als deutsche Wortmarke schützen lassen – sogar ein Buch unter diesem Namen veröffentlicht.

Und dieser „Andere“ war alles andere als begeistert, als er seine Wortschöpfung, lediglich durch einen anderslautenden Zusatz ergänzt, als Slogan sowie als Titel für ein angebotenes Webinar auf dem XING-Profil der Freiberuflerin entdeckte. Er schaltete seinen Anwalt ein…

Berufshaftpflicht als Backup: Wenn passiert, womit Niemand gerechnet hat…

Man kann sich vorstellen, dass die Freiberuflerin aus allen Wolken fiel, als ihr wegen eines einfachen Slogans plötzlich eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung, Kosten im vierstelligen Bereich und einem überdimensional hoch angesetzten Streitwert von 100.000 Euro zugestellt wurde.

Einen „Effekt“, den ich immer widere in meiner Schadenspraxis als Versicherungsmakler erlebe: Häufig passiert eben nicht das, womit man als Dienstleister primär rechnet. So würde man bei einer Freiberuflerin, die sich auf Vorträge spezialisiert hat, spontan auch eher an einen unzufriedenen Semarteilnehmer denken, der sein Geld zurück will, als an eine Abmahnung wegen eines Slogans im Social Media Account.

Doch Theorie und Praxis liegen weit auseinander – und selbst ich staune nach vielen Jahren noch darüber, in welchen Bereichen und in welcher Art und Weise Schäden eintreten können.

So kann bereits die Akquise mehr Risiken und Nebenwirkungen bereithalten, als so manchem Freiberufler lieb ist. Das zeigen übrigens auch die anderen Schadenfälle im Zusammenhang mit XING, die am Ende des Beitrags nochmal verlinkt sind.

Offene Deckung der Berufshaftpflicht: Alle Tätigkeiten sind versichert

Für die Berufshaftpflicht ergibt sich aus dieser „Erkenntnis“ ein wichtiger Punkt: Sie sollte nach dem Prinzip der „offenen Deckung“ versichern.

Das bedeutet: Alle Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit Eurer erbrachten Dienstleistung stehen, sind von der Berufshaftpflicht umfasst.

Übrigens: Die „Offene Deckung“ steht im Gegensatz zur sogenannten Katalogdeckung – auch als Named-Perils-Deckung bekannt. Dabei sind lediglich die Tätigkeiten (Gefahren und Risiken) versichert, die im Versicherungsschein auch explizit genannt sind. Eine abschließende Aufzählung, die sich im Schadenfall unter Umständen negativ auf den Versicherungsschutz auswirken kann…

Apropos Schadenfall: Wie ging es mit der Freiberuflerin weiter? Ihr Berufshaftpflichtversicherer nahm sich dem Fall an – und handelte (auch aufgrund knapper Fristen) schnell: Mittwochmittag hatte sie den Schaden gemeldet, am Donnerstag hatte ihn der Versicherer bereits reguliert.

Und weil das eine Schadenabwicklung ganz nach meinem Geschmack ist, habe ich mir erlaubt, das ausnahmsweise hier auf dem Blog hervorzuheben. 🙂

Weiterführende Informationen

5 Antworten auf “Slogan auf XING wird zur Abmahnfalle: Wenn Eigenmarketing nach hinten losgeht”

  1. Heiko Stein sagt:

    Danke für den wichtigen und informativen Beitrag. Eine kleine Ergänzung noch: Gerade bei Slogans und Bezeichnungen/Titeln kann eine Recherche beim DPMA den Freiberufler (und seine Versicherung) vor Schäden bewahren.
    Die ist einfach und kostenlos durchzuführen unter https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/einsteiger. Zwar berücksichtigt man damit nicht alle möglichen Schutzvorschriften, aber der hier geschilderte Fall hätte sich sicher vermeiden lassen …

  2. Vielen Dank für den wichtigen Hinweis. Das sehe ich auch so…

  3. Micha sagt:

    Hallo Herr Günther,

    es heißt nicht »… nahm sich dem Fall an«, sondern »… nahm sich des Falls an«, das könnte man in Ihrer Branche aber schon wissen!

  4. Ralph Günther sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis – manchmal macht man selbst falsch, was einem bei Anderen auffällt. Ich hoffe, wer etwas mehr von mir liest, gewinnt den Eindruck, dass ich der Grammatik (obwohl ich aus Bayern komme!) doch einigermaßen mächtig bin. 🙂

  5. […] Slogan auf XING wird zur Abmahnfalle: Wenn Eigenmarketing nach hinten losgeht Eigenmarketing – dabei kommt es nicht nur auf das WO an, sondern auch auf das WIE.  […]

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