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Als Gründer der exali GmbH verfüge ich über langjährige Erfahrung im Riskmanagement und der Versicherung von IT-Experten, Medienschaffenden und Consultants. Mehr

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Um das Thema gleich von Beginn an bei den Hörnern zu packen: Auch wenn die Erwartungshaltung gegenüber Consultants vielfach sehr hoch ist, sie sind keine „eierlegenden Wollmilchsäue“ – um das mal etwas uncharmant zu formulieren. Und so kann es in der Beratungspraxis von Consultants schnell zu unerfüllten Erwartungen und Enttäuschungen seitens des Auftraggebers kommen. Nicht selten resultieren daraus finanzielle Forderungen und Rückforderungen an den Consultant. Das stelle ich in meinem Alltag als Vermögensschadenexperte und bei der Betreuung im Schadenfall immer wieder fest. Und noch etwas fällt auf: Obwohl mittlerweile fast alle Projektvermittler eine Berufshaftpflicht von ihren selbständigen Consultants fordern, gibt es meiner Meinung nach eindeutig zu viele ungeklärte Fragen zu deren Sinn und Zweck. Höchste Zeit also, Licht ins Dunkel der Missverständnisse zu bringen.

Auch Berater wollen gut beraten sein: Auch der zweite Teil der Serie rund um die Berufshaftpflicht für Consultants bringt Licht ins Dunkel der häufigsten Fragen und Missverständnisse.

Auch Berater wollen gut beraten sein: Auch der zweite Teil der Serie rund um die Berufshaftpflicht für Consultants bringt Licht ins Dunkel der häufigsten Fragen und Missverständnisse.

Auch der zweite Teil meiner kleinen Blog-Serie greift deshalb die häufigsten Fragen und Irrtümer rund um die Berufshaftpflicht für Berater auf. Diese Woche erkläre ich, warum auch Consultants ein Schaden nachgewiesen werden kann, ob in Deutschland Projektdeckungen angeboten werden – und warum auch jahrelange Erfahrung keine Garantie für Schadenfreiheit ist.

Irrtum 3: „ Mein Auftraggeber kann mir ohnehin keinen Schaden nachweisen.“

Zwei häufige Irrtümer habe ich bereits letzte Woche im ersten Teil der kleinen Serie unter die Lupe genommen (und hoffentlich „seziert“). Doch wie das so ist: Wo die einen Fragen herkommen, da gibt´s noch mehr. 🙂

Die Anspruchshaltung von Kunden ist heutzutage sehr hoch. Allerdings können auch Consultants und die empfohlenen Softwarelösungen wie SAP keine „Wunder bewirken“ und alle Problemstellungen mit einem Federstrich lösen.

Wenn die empfohlenen Lösungsansätze nicht den gewünschten Erfolg bringen, sind die finanziellen Auswirkungen von Beeinträchtigungen, Umsatzeinbußen oder Mehrkosten im Schadenfall des Kunden tatsächlich nicht immer exakt bis auf den letzten Euro nachweisbar. Viele Auftraggeber hält das jedoch nicht davon ab, Ansprüche zu erheben.

Denn auch die Rechtsabteilungen schätzen das Risiko einer gerichtlichen Auseinandersetzung auf beiden Seiten so hoch ein, dass gerne ein Vergleich angestrebt wird. Mit komplexen IT-Streitigkeiten sind die Gerichte häufig überfordert, so dass Juristen unprätentiöse Entscheidungen gegen ihre Mandanten nicht ausschließen können. Für den freiberuflichen bzw. selbständigen Consultant ergibt sich somit ein nicht unerhebliches Kostenrisiko, selbst wenn der Auftraggeber Ansprüche nur „in den Raum stellt“.

Ein Punkt, an dem der sogenannte „Passive Rechtsschutz“ der Berufshaftpflicht für Consultants – auch Consulting-Haftpflicht genannt – ins Spiel kommt: Im Rahmen dieser Leistung übernimmt der Versicherer die Kosten für die professionelle Klärung der Schadenersatzforderung. Doch dazu später mehr.

Irrtum 4: „Ich brauche die Versicherung nur für 5 Wochen.“

Nicht jedes Projekt zieht sich über Jahre – eine Versicherung deshalb lediglich für einige Wochen bzw. die genaue Projektdauer abzuschließen, ist ein Wunsch, den ich häufig höre.

Doch abgesehen davon, dass eine Consulting-Haftpflicht mit solch einer kurzen Laufzeit auf dem deutschen Markt meines Wissens nach gar nicht angeboten wird, wäre sie auch nicht sehr sinnvoll.

Zur Erklärung: Die Haftung für Consulting-Leistungen endet nicht mit dem Projekt. Der Haftungszeitraum dauert länger (in der Regel mindestens 2-3 Jahre), als die Projektlaufzeit selbst. Und es ist keine Seltenheit, dass Schäden im IT Umfeld erst nach Projektende eintreten.

Im Projektgeschäft hört man zwar immer wieder von angelsächsischen Angeboten mit einem englischen Wording, die kürzere Laufzeiten (Projektdeckung) anbieten. Diese bergen jedoch eine sehr große Gefahr, auf die ich Euch besonders hinweisen will:

Den mir bekannten Angeboten liegt das so genannte „Claims Made Prinzip“ zu Grunde. Demnach sind nur die Anspruchsstellungen versichert, die gegenüber dem Consultant während des Projekts erhoben werden. Schadenersatzansprüche nach Projektende sind nicht versichert – wodurch der längste Haftungszeitraum unversichert bleibt (vor allem bei kürzeren Projektlaufzeiten).

Ob ein niedrigerer Beitrag für eine Berufshaftpflicht mit verkürzter Laufzeit Anreiz genug dafür ist, einen Großteil des Risikos doch selbst zu tragen – das ist eine Frage, die jeder freiberufliche Consultant für sich selbst beantworten muss.

Irrtum 5: „Ich mache das jetzt seit 10 Jahren und es ist noch nie etwas passiert.“

Im Berufsalltag eines Freiberuflers ist das wie beim Auto fahren: Die Schadenfreiheit in der Vergangenheit ist keine Gewähr für die Zukunft. Man könnte den „Spieß“ auch umdrehen und wie die Versicherer argumentieren: Je länger noch kein Schaden eingetreten ist, so wahrscheinlicher ist es, dass es zu einem Schaden kommt.

Daher ist die Vermögensschadenhaftpflicht, wozu auch die Consulting-Haftpflicht zählt, so genanntes „Long Tail Geschäft“. Versicherungstechnisch handelt es sich also um Risiken, bei denen die Schäden erst bei längerer Laufzeit der Versicherung eintreten und statistisch beurteilt werden können.

Im Jahr 2010 gaben 45 % der befragten Projektanbieter eines großen deutschen Projektvermittlers im IT-Bereich an, mindestens einmal einen Schadenfall gehabt zu haben, der durch einen Freiberufler verursacht wurde. Und wenn IT-Projekte zu scheitern drohen, wird häufig die Ursache bei den externen Consultants gesucht.

Passiver Rechtsschutz übernimmt Kostenrisiko bei unklarer Sachlage

In diesem Zusammenhang erfüllt die Consulting-Haftpflicht eine wichtige Leistung – und das ist die Stelle, an der ich auf den „Passiven Rechtsschutz“ zurückkomme. Das bedeutet nichts anderes, als: Der Versicherer prüft auf eigene Kosten, ob die Ansprüche gerechtfertigt sind und wehrt ungerechtfertigte oder überzogene Ansprüche ab.

Aufwendungen, die dabei anfallen (z.B. Anwalts-, Gutachter- oder Gerichtskosten), übernimmt dabei der Versicherer, wie Ihr es vielleicht von einer Rechtschutzversicherung im privaten Bereich kennt. Da man mit dieser Leistungskomponente jedoch nicht einen Dritten aktiv verklagen kann, bzw. die Kosten dafür übernommen bekommt, hat sich der Begriff „passiver“ Rechtsschutz eingebürgert.

Übrigens: Wenn Ihr noch Fragen zum Sinn und Zweck der Berufshaftplficht für Consultants habt – bitte her damit! Ich freue mich über Anregungen, Kritik und „neuen Stoff“, den ich hier auf dem Blog aufgreifen kann.

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