Über Ralph Günther

Als Gründer der exali GmbH verfüge ich über langjährige Erfahrung im Riskmanagement und der Versicherung von IT-Experten, Medienschaffenden und Consultants. Mehr

Zum Versicherungsportal

exali.de - Mein Business bestens versichert

RSS

RSS

Networking

Follow exali on Twitter  

Meta

Diese Seite wird überprüft von der Initiative-S

Consultants, Freiberufler im Media Business oder IT-Experten – so unterschiedlich ihre Tätigkeiten auch sind, im Schadenfall brennt ihnen meist dieselbe Frage unter den Nägeln: „Ist mein Schaden versichert?“ Verständlich, schließlich entscheidet das im Ernstfall darüber, ob die Versicherung zahlt – oder der Dienstleister auf den Kosten sitzen bleibt. Und so schön das wäre – eine pauschale Antwort gibt es leider nicht. Einer der Knackpunkte ist, wie der versicherte Schadenfall in den Versicherungsbedingungen definiert ist – die so genannte Schadentheorie. Sie regelt, in welchem Zeitraum die Schadenursache, das Schadenereignis oder die Anspruchsstellung des Geschädigten liegen muss, damit Versicherungsschutz besteht.

„Ist mein Schaden versichert?“ Diese Frage brennt vielen Freiberuflern unter den Nägeln. Was das mit der Schadentheorie in den Versicherungsbedingungen zu tun hat – diesem Thema gehe ich diese Woche auf den Grund.

„Ist mein Schaden versichert?“ Diese Frage brennt vielen Freiberuflern unter den Nägeln. Was das mit den Schadentheorien der Versicherer zu tun hat, dem gehe ich diese Woche auf den Grund.

Auch wenn das Thema zunächst sehr abstrakt klingt, lohnt sich hier ein Blick hinter die Kulissen. Diese Woche will ich in Teil 1 der kleinen Serie, der Verstoß-Theorie, der Schadenereignis-Theorie und dem Claims-Made-Prinzip näher auf den Grund gehen.

Schluss mit Versicherungschinesisch: Wichtige Definitionen und Fachbegriffe

Die drei häufigsten Schadentheorien die Ihr in den Versicherungsbedingungen vorfinden werdet, sind:

  • die Verstoß-Theorie
  • die Schadenereignis-Theorie
  • die Claims-Made-Theorie

Die unterschiedlichen Theorien möchte ich Euch anhand eines Praxisbeispiels näher bringen:

Ein freiberuflicher IT-Experte implementiert zum Zeitpunkt X eine Funktion im System des Kunden. Die Funktion wird getestet und alles scheint in Ordnung zu sein. Das System geht „live“ und zum Zeitpunkt Y kommt es dennoch zu einer Fehlfunktion des Systems, wodurch dem Kunden Ausfallzeiten im Geschäftsbetrieb entstehen. Zum Zeitpunkt Z erhält der IT-Experte eine Anspruchsstellung in Form eines Schreibens des Auftraggebers mit einer Forderung über die finanziellen Folgen des Ausfalls (=Schadenersatz).

Zeitpunkt X : Verstoß = Handlung, die einen Schaden (Haftpflichtanspruch) nach sich zieht. Der Verstoß kann durch jedes Tun oder Unterlassen einer Handlung begangen werden.

Zeitpunkt Y: Schaden(ereignis) = Ereignis, das die Schädigung eines Dritten (Kunde / Auftraggeber) unmittelbar herbeiführt. Auf den Zeitpunkt der Schadenverursachung kommt es nicht an.

Zeitpunkt Z: Anspruchsstellung = Schadenersatzforderung des Geschädigten (z.B. Zugang des Forderungsschreibens beim IT-Experten)

Schadenmeldung = Meldung der Anspruchsstellung (Schadenersatzforderung) an den Versicherer

Zu welchem Zeitpunkt muss nun Versicherungsschutz bestehen, damit der Versicherungsnehmer nicht auf den Kosten sitzen bleibt: Zum Zeitpunkt des Verstoßes, zum Zeitpunkt des Schadeneintritts oder zum Zeitpunkt der Anspruchsstellung?

Die Verstoß-Theorie = Zeitpunkt des beruflichen Vergehens

Wie der Name schon erahnen lässt, definieren Versicherungsprodukte, denen die Verstoß-Theorie zugrunde liegt, den versicherten Schadenfall anhand des Verstoßes.

Das bedeutet konkret: Um im Schadenfall Deckung von der Versicherung zu erlhalten, muss der Verstoß, der zum Schaden führt – und damit der Zeitpunkt, wann die Dienstleistung erbracht wird – im versicherten Zeitraum liegen. Es zählt also der Zeitpunkt des beruflichen Vergehens (X).

Im oben genannten Beispiel sind also nur Schadenfälle versichert, bei denen der Verstoß (Zeitpunkt X im Beispiel) nach Abschluss der Versicherung eintritt. Wann der Schaden eintritt (Zeitpunkt Y) und wann die Anspruchsstellung geschieht (Zeitpunkt Z) ist zunächst nicht relevant. Die Frist, wie lange ein Schaden nachträglich gemeldet werden darf, wird durch die Nachmeldefrist in den Versicherungsbedingungen geregelt (in der Regel 3 – 5 Jahre).

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Ansprüche (Zeitpunkt Z im Beispiel) durch Verstöße aus Projekten, die vor Beginn des Versicherungsvertrages bearbeitet wurden, nicht vom Versicherungsschutz umfasst sind, auch wenn sich der Schaden (Y) im versicherten Zeitraum ereignet. Es besteht sozusagen keine Vorumsatzdeckung.

Das Verstoß-Prinzip wird in den Bedingungen zum Beispiel wie folgt definiert:

Der Versicherer bietet dem Versicherungsnehmer Versicherungsschutz für den Fall, dass er von einem anderen auf Grund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen wegen eines Verstoßes, den er bei der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit begangen hat, für einen Vermögensschaden verantwortlich gemacht wird.“

Schadenereignistheorie = Eintrittszeitpunkt des Schadens

Bei der Schadenereignistheorie zählt – wie sich bereits aus dem Namen ableiten lässt – das Schadenereignis (Y) das die Schädigung eines Dritten unmittelbar herbeiführt. Was den Versicherungsschutz angeht, ist also der Eintrittszeitpunkt des Schadens entscheidend für den Versicherungsschutz.

Das bedeutet konkret: Im Gegensatz zum Verstoß-Prinzip kommt es nicht darauf an, wann der Schaden verursacht wurde (= Zeitpunkt des beruflichen Vergehens), sondern wann der Schaden eintritt (= Eintrittszeitpunkt des Schadens). Allein das Schadenereignis muss also im versicherten Zeitraum liegen, um im Schadenfall Deckung zu erhalten.

Damit sind auch Schäden durch Tätigkeiten und Leistungen vom Versicherungsschutz abgedeckt, die vor Versicherungsbeginn erbracht wurden. Im Fachjargon der Versicherer wird das auch „Vorumsatzdeckung“ genannt.

In den Versicherungsbedingungen sind beispielsweise folgende Formulierung zu lesen, wenn das Schadenereignis-Prinzip angewendet wird:

Versicherungsfall ist das Schadenereignis, das die Schädigung des Dritten oder des Versicherungsnehmers durch einen Personen-, Sach- oder Vermögensschaden unmittelbar herbeiführt. Auf den Zeitpunkt der Schadenverursachung kommt es nicht an.“

Claims-made-Prinzip = Zeitpunkt der Anspruchserhebung

Bei Versicherungsprodukten, denen das Claims-made-Prinzip zugrunde liegt, ist der Zeitpunkt der Anspruchserhebung(claims made) entscheidend für den Versicherungsschutz – und damit der Zeitpunkt, an dem der geschädigte Dritte Schadenersatzansprüche geltend macht (= Zeitpunkt Z).

Konkret bedeutet das: Der Versicherer zahlt im Schadenfall nur, wenn die Anspruchserhebung innerhalb des Versicherungszeitraums erfolgt. Leistungserbringung (X), Schaden (Y) und Anspruchstellung (Z) müssen im versicherten Zeitraum liegen.

Ein Prinzip, das sich in der D&O Versicherung (Directors & Officers Versicherung) durchgesetzt hat – und übrigens auch bei vielen englischen Versicherungen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Dienstleistungen, die vor Versicherungsbeginn erbracht wurden, prinzipiell vom Versicherungsschutz gedeckt sind, sofern die Anspruchserhebung nach Versicherungsbeginn liegt. Häufig werden jedoch bei der Claims Made Deckung Projekte vor Vertragsbeginn ausgeschlossen oder nur für einen bestimmten Zeitraum vor Vertragsbeginn mit in den Versicherungsschutz eingeschlossen.

Auf den Zeitpunkt des beruflichen Vergehens (siehe Verstoß-Theorie) kommt es nur bedingt an – er ist sozusagen an die Anspruchserhebung gekoppelt: So wäre nach dem Claims-made-Prinzip ein Schaden im Versicherungszeitraum nicht versichert, wenn die Anspruchserhebung für diesen Schaden erst nach Versicherungsende erhoben würde.

In den Versicherungsbedingungen der D&O ist das etwa so formuliert:

Versicherungsfall ist der während der Wirksamkeit des Vertrages geltend gemachte Anspruch der gegen den Versicherungsnehmer erhoben wird.“

Vorschau: Im Schadenfall nun versichert – oder doch nicht? In Teil zwei der kleinen Serie „spiele“ ich nächste Woche die verschiedenen Schadentheorien in sechs Grafiken durch. Sie zeigen verschiedene Schaden-Szenarien aus der Praxis.

Weiterführende Informationen

Schreiben Sie einen Kommentar

Wenn Sie einen Kommentar abgeben, speichern wir zu den eingegebenen Daten Ihre IP-Adresse. Weitere Informationen finden sie in unserer Datenschutzerklaerung.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.