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80 Prozent aller Projektvermittler fordern eine Berufshaftpflicht von ihren selbständigen Consultants. Das hat eine Umfrage der Projektbörse freelancermap unter 25 Anbietern in Deutschland ergeben. Soviel zur Theorie – doch wie verhält es sich in der Praxis? Im Kontakt mit vielen freiberuflichen Consultants stelle ich vor allem eines fest: Zum Thema gibt es viele Fragen und Missverständnisse. Höchste Zeit also, Klarheit in den „Versicherungsdschungel“ zu bringen und mit den häufigsten Irrtümern aufzuräumen.

Manchmal brauchen auch Berater etwas Beratung: Die häufigsten Fragen, Missverständnisse und Irrtümer zur Berufshaftpflicht für freiberufliche Consultants.

Manchmal brauchen auch Berater etwas Beratung: Die häufigsten Fragen, Missverständnisse und Irrtümer zur Berufshaftpflicht für freiberufliche Consultants.

Diese Woche geht es in Teil 1 meiner kleinen Blog-Serie deshalb um den Sinn und Zweck der Berufshaftpflicht für Berater – aufgezogen und erklärt an den Fragen, die in den vergangenen Jahren in Gesprächen mit Consultants aus den unterschiedlichsten Bereichen immer wieder aufgetaucht sind. Quasi ganz nach dem Motto: Manchmal brauchen auch Berater etwas Beratung. 🙂

Irrtum 1: „Aus einer reinen Beratungs(leistung) kann sich doch keine Haftung ergeben!“

Ohne irgendwem zu nahe treten zu wollen: Ihr glaubt nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. Und natürlich, im ersten Moment klingt er nach einer logischen Schlussfolgerung.

Nehmen wir zum Beispiel einen freiberuflichen Business- oder Prozess-Berater im SAP-Bereich: In den meisten Fällen ist er nicht für die technische Umsetzung (etwa Programmierung oder Implementierung) verantwortlich. Er gibt nichts ins System ein und trifft keine Entscheidungen. Er macht lediglich Vorschläge. Woraus sollte sich also ein Haftungsrisiko ergeben?

Die Antwort ist einfach: Aus haftungsrechtlicher Sicht gibt es keine Differenzierung zwischen technischer Umsetzung (z.B. Programmierung oder Implementierung) und der reinen Beratung(sleistung) an sich.

Trifft nun der Projektleiter oder die Geschäftsführung des Unternehmens, das den SAP-Consultant hinzugezogen hat, auf Basis dessen Beratung eine Entscheidung, die zu Vermögensnachteilen (sprich Vermögensschäden) führt, kann der sich natürlich nicht darauf berufen, mit der Entscheidung „nichts zu tun“ zu haben.

Denn: Gerade die Vermeidung einer Fehlentscheidung war der Grund für seinen Auftraggeber, ihn als externen Berater und Experten mit dieser Aufgabe zu betreuen – und somit Kern der geschuldeten Leistung (juristisch: Kardinalpflicht). Folglich kann der SAP-Consultant für seine (fehlerhafte) Beratung (juristisch: Schlechtleistung) haftbar gemacht werden.

In einem Blogbeitrat vor zwei Jahren habe ich das Thema „Beratung und Haftungsrisiko“ schon mal behandelt und versucht die Sachlage mit einer kleinen „Formel“ auf den Punkt zu bringen:

Falsche bzw. fehlerhafte Beratung
+ enttäuschtes Vertrauen (des Kunden/Auftraggebers)
__________________________________________
= potentieller Schadenersatzanspruch gegen Consultant

Irrtum 2: „Ich hafte nicht, denn ich arbeite per Dienstvertrag.“

Auch diesen Satz habe ich in den vergangenen Jahren mehr als einmal gehört. Und genau so lange versuche ich übrigens auch, dieses Missverständnis aus der Welt zu schaffen.

Wer einem Dritten einen Schaden zufügt, ist allgemein gesetzlich zum Schadenersatz verpflichtet. Dabei macht es zunächst keinen Unterschied, ob ein Dienst- oder Werkvertrag vorliegt. Natürlich: Bei Werkverträgen kann die Haftung z.B. für Garantien oder Gewährleistung noch weiter gehen. Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings nicht, dass es bei Dienstverträgen keine Haftung gibt.

Im Gegenteil: Aus dem Berater- bzw. Dienstleistervertrag ergeben sich für Consultants etliche Pflichten. Zum Beispiel

  • die Pflicht zur Einhaltung von Fristen und Terminen,
  • die Pflicht zur Vertraulichkeit, Geheimhaltung und zum Datenschutz,
  • Informations- und Hinweispflichten (z.B. Schutz von Rechten Dritter),
  • die Kernpflicht zur „Experten-Leistung“, d.h. der Auftraggeber vertraut auf das Können des beauftragten externen Beraters.

Werden diese Pflichten nicht eingehalten oder nach den Vorstellungen des Kunden erfüllt, kann der Consultant ebenso in Haftung genommen werden, wie bei einem Werkvertrag.

Und: Als Einzelunternehmen haften freiberufliche Consultants persönlich. Ein Fehler, auch wenn er nur einmal in der gesamten beruflichen Karriere vorkommt, wirkt sich damit direkt auf das Privatvermögen aus – und kann im Extremfall sogar die eigene Existenz gefährden.

Nächste Woche geht es im zweiten Teil darum, warum auch Consultants ein Schaden nachgewiesen werden kann, ob in Deutschland Projektdeckungen angeboten werden – und wo die Parallelen zwischen der Tätigkeit eines Beraters und Autofahren liegen.

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