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Als Gründer der exali GmbH verfüge ich über langjährige Erfahrung im Riskmanagement und der Versicherung von IT-Experten, Medienschaffenden und Consultants. Mehr

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Haftungsrisiken aus Projektverträgen,
Teil 5

Und Sie selbst? Tatsächlich birgt ein Projekt für einen Dienstleister nicht nur die Gefahr, andere zu schädigen, sondern auch sich selbst. Versicherungstechnisch spricht man hier vom Eigenschaden – und genau diesen möchte ich anhand zweier Beispiele näher schildern. Denn Eigenschäden sind gar nicht so selten, wie der eine oder andere Freelancer glauben mag.

Beispiel 1: Der Auftraggeber tritt vom Projekt zurück

Zum Beispiel eine Website oder Software entwickeln: Arbeiten Sie als Freiberufler auf Basis eines Werkvertrags, so hat Ihr Kunde/Auftraggeber nach 323 BGB das Recht, bei nicht oder nicht vertragsgemäß erbrachter Leistung vom Vertrag / Projektvertrag zurückzutreten.

Wenn der Auftraggeber den Rücktritt bekundet, hat er die bis dahin erbrachte Leistung des Auftragnehmers herauszugeben und darf diese nicht verwenden. Im Gegenzug erhält der Auftragnehmer kein Honorar bzw. muss seinerseits bereits erhalte Leistungen zurückzahlen.

Fatal und bei größeren Projekten vielleicht sogar die berufliche Existenz gefährdend: Durch den Rücktritt Ihres Auftraggebers vom Projekt auf Werkvertragsbasis bleiben Sie nicht nur auf den entstandenen Sach- und Personalkosten, sondern vor allem auf Ihrem Honorar sitzen.

Springt hier der Berufshaftpflichtversicherer ein?

Nein. Schäden, die Freiberufler und Selbstständige selbst erleiden, sind vom Versicherungsschutz der Berufshaftpflichtversicherung allgemein nicht gedeckt, da es sich hierbei nicht um Ansprüche eines Dritten (z.B. Ihres Kunden oder Auftraggebers) handelt. Die Logik dahinter: Sie können sich ja nicht selbst in die Haftung nehmen.

Eigenschäden sind nur über eine so genannte Eigenschadenversicherung gedeckt. Die wird entweder als Erweiterung zu einer Berufshaftpflichtversicherung oder als eigenständiger Versicherungsvertrag angeboten.

Für den „Rücktritt vom Projekt“ gibt es nach meiner Kenntnis jedoch erst einen Versicherer, der dieses Risiko für IT-Berufe, Medienberufe und Consultants versichert.

Beispiel 2: Der Auftraggeber kündigt den Dienstvertrag außerordentlich

Durch die plötzliche außerordentliche Kündigung eines Dienstvertrags kann es ebenfalls zu finanziellen Einbußen und damit zu einem Eigenschaden kommen. Bei einer fristgereichen Kündigung eines Dienstvertrags hat der Freiberufler bzw. Selbstständige abhängig von der Kündigungsfrist einen gewissen zeitlichen Vorlauf, mit dem er ein Anschlussprojekt akquirieren und somit einen Umsatzausfall vermeiden kann.

Bei einer außerordentlichen Kündigung fällt dieser Vorlauf weg. Das finanzielle Risiko der außerordentlichen Kündigung ist jedoch geringer einzuschätzen als bei einem Rücktritt vom Werkvertrag. Dies liegt daran, dass der Auftraggeber in diesen Fällen die bis zum Zeitpunkt der außerordentlichen Kündigung erbrachten Dienstleistungen abrechnen muss.

Springt hier der Berufshaftpflichtversicherer ein?

Nein. Auch dies ist kein Versicherungsfall für die Berufshaftpflichtversicherung. Eine Eigenschadenversicherung für derartige Honorarausfälle wird derzeit nur für IT-Projekte als Leistungserweiterung zur IT-Haftpflichtversicherung angeboten.

Aus der Praxis: 50.000 Euro Eigenschaden!

Ein Eigenschaden ist keinesfalls ein theoretisches Phänomen, wie folgender Schadenfall zeigt, den ich als Versicherungsmakler erlebt habe:

Ein mit der Realisierung eines Multimedia-Projekts beauftragter Internet-Dienstleister lieferte seiner Ansicht nach alle gewünschten Funktionen fristgerecht an den Kunden. Dennoch bestand zum Fertigstellungstermin Uneinigkeit darüber, ob vom Auftraggeber gewünschte Zusatzfunktionen (Change Request) eine Erweiterung des Projekts darstellten – oder von Anfang an Auftragsgegenstand waren. Dazu gab es leider keine aussagefähigen schriftlichen Unterlagen.

Der Dienstleister war bereit, die aus seiner Sicht neuen Zusatzfunktionen zu erstellen. Er schaffte dies jedoch nicht innerhalb der kurz bemessenen Frist des Auftraggebers. Eine weitere Frist wollte der Auftraggeber nicht einräumen und trat vom Vertrag zurück. Die vom IT-Dienstleister erbrachten Sach- und Personalleistungen stellten ohne Gewinnzuschläge einen Wert von etwa 50.000 Euro dar, was anhand von Auflistungen, Stundenzetteln und Tabellen nachgewiesen werden konnte.

Da die Internetagentur in ihrer IT-Haftpflichtversicherung Eigenschäden in Form von vergeblichen Personal und Sachaufwendungen durch den Rücktritt des Auftraggebers vom Projektvertrag (Werkvertrag) mitversichert hatte, übernahm der Berufshaftpflichtversicherer den Ausgleich des Eigenschadens (abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung).

Im sechsten und letzten Teil meiner Reihe „Haftungsrisiken aus Projektverträgen“ gebe ich Ihnen eine Checkliste an die Hand, in der Sie die wichtigsten Kriterien für eine bedarfsgerechte Berufshaftpflichtversicherung finden.

Alle Teile der Serie „Haftungsrisiken aus Projektverträgen“

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