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Volles Programm: Designen, Texten, Layouten, Kreieren – und das alles für einen zufriedenen Kunden. Das kreative Portfolio von (Werbe-)Agenturen und freiberuflichen Grafikern ist groß. Und nicht nur das: Viele Agenturen bieten noch zusätzliche Services an, wie etwa die Übernahme der Druckleistung. Dass es durch den „Fullservice“ zu Versicherungslücken in der eigenen Vermögensschadenhaftpflicht kommen kann, dazu besteht nach meinen Erfahrungen einiges an Aufklärungsbedarf.

Viele  Agenturen und Grafiker bieten die Übernahme der Druckleistung an – ohne sich jedoch gegen Druckeigenschäden abzusichern. Das kann böse ins Auge gehen…

Viele Agenturen und Grafiker bieten die Übernahme der Druckleistung an – ohne sich gegen Druckeigenschäden abzusichern. Das kann böse ins Auge gehen…

Denn viele Agenturen bieten die Druckdienstleistung an, haben in ihrer Vermögensschadenhaftpflicht allerdings keine sogenannten „Druckeigenschäden“ mitversichert. Und das kann böse ins Auge gehen, wenn man durch einen Layoutfehler auf den Druckkosten sitzen bleibt.

Name der Agentur steht auf der Druck-Rechnung

Doch was kann eigentlich passieren? Nun ja, die Agentur hat den kreativen Entwurf für einen Firmen-Flyer fertiggestellt und schickt ihn per Mail an den Kunden. Der ist begeistert: Was er da auf seinem PC-Monitor sieht, gefällt ihm gut – und er gibt sein Okay für den Druck.

Und weil die Agentur das „Gesamt-Paket“ inklusive Druckleistung anbietet, gibt sie den Auftrag im eigenen Namen an die Druckerei weiter. Ein wichtiger Punkt, denn in diesem Moment steht ihr Name auf der Rechnung – und nicht der des Kunden.

Kunde nimmt die Flyer nicht an

Wenig später sind die Flyer für den Kunden fertiggestellt – eine ganze Palette, frisch aus dem Druck. Sie werden an den Kunden ausgehändigt, doch der ist entsetzt: Was ihm auf seinem Bildschirm noch richtig gut gefallen hat, sieht nun völlig anders aus. Nicht ein Farbton auf den gedruckten Flyern entspricht seinen Vorstellungen.

Die Agentur hatte im Roh-Entwurf für den Flyer versehentlich die Farbprofile vertauscht. Versicherungstechnisch wird solch ein Fail als „Fehler in der Druckvorstufe“ bezeichnet. Darunter fallen z.B. auch Layoutfehler, Zahlendreher, Rechtschreibfehler oder die Übermittlung der falschen Druckdaten.

Für den Kunden ein klarer Fall: Er nimmt die Flyer nicht an. Die Agentur muss die Arbeit nochmal machen – schließlich hat der Kunde Anspruch auf mangelfreie Ware.

Mitversicherung von Druckeigenschäden nicht selbstverständlich

Und als ob das nicht schon genug Ärger wäre, stellt sich dann heraus: Obwohl die Werbeagentur eine Vermögensschadenhaftpflicht abgeschlossen hat, übernimmt der Versicherer die Kosten für den Druck der Flyer nicht.

Der Grund: Allgemein versichert ein Haftpflichtvertrag Schäden, die bei einem Dritten (z. B. dem Kunden) verursacht werden. Eigenschäden, wie vergebliche Druckkosten, sind standardmäßig nicht versichert.

Erklärung Eigenschaden: Im Gegensatz zu einem Haftpflichtschaden wird bei einem Eigenschaden kein Dritter geschädigt, sondern Sie selbst. Beispiel: Sie lassen Ihre Digitalkamera fallen (= Eigenschaden).

Um einen solchen handelt es sich auch bei der Agentur: Da ihr Name auf der Druck-Rechnung steht, hat sie den Eigenschaden – in diesem Fall auch Druckeigenschaden genannt.
Agenturen und freiberufliche Grafiker, die den Fullservice inklusive Druckleistung anbieten, sollten deshalb darauf achten, dass ihre Vermögensschadenhaftpflicht auch diese speziellen Druckeigenschäden abdeckt.

In der Praxis wird dafür in den Versicherungsbedingungen geregelt, dass neben Haftpflichtansprüchen auch bestimmte Eigenschäden versichert sind.

Beispiel für eine derartige Leistungserweiterung

Eine derartige Leistungserweiterung könnte in den Bedingungen der Vermögensschadenhaftpflicht so formuliert sein:

„Der Versicherer gewährt dem Versicherungsnehmer außerdem Versicherungsschutz für Vermögensschäden, die er selbst erleidet (Eigenschäden),wenn ihm vergebliche Aufwendungen aus Druck-, Streuungs- oder Herstellungsaufträgen entstehen, die er für seinen Auftraggeber in eigenem Namen an Dritte erteilt, und diese Aufwendungen aufgrund eigener Pflichtverletzungen nicht an den
Auftraggeber weitergegeben werden können. “

Kann man als Grafiker Eigenschäden vermeiden?

Es ist kein Geheimnis, dass die Mitversicherung von Druckeigenschäden den Versicherungsbeitrag verteuert (nach meinen Erfahrung mind. 200,00 Euro im Jahr). Es drängt sich daher die Frage auf, ob man diese Eigenschäden durch Anpassung des Geschäftsmodells vermeiden kann.

Die Antwort ist: Ja. Wenn die Werbe-Agentur aus meinem Beispiel den Druckauftrag nicht im eigenen Namen an die Druckerei gegeben hätte, sondern die Auftragserteilung direkt über den Kunden gelaufen wäre (sein Name würde in diesem Fall auf der Rechnung stehen), dann wäre der Schaden über die falsch gedruckten Flyer beim Kunden entstanden.

Das heißt, es hätte sich um einen „normalen“ Haftpflichtfall (Schädigung eines Dritten, und nicht um einen Eigenschaden gehandelt – der Schaden wäre also über die „normale“ Vermögensschadenhaftpflicht auch ohne Leistungserweiterung abgesichert gewesen.

Fazit: Eine branchenspezifische Vermögensschadenhaftpflicht für Freiberufler im Medien- und Kreativbereich (auch Media-Haftpflicht genannt) sichert finanzielle Schäden ab, die dem Kunden durch einen Fehler der Agentur zugefügt werden. Zum Beispiel durch einen Fehler in der Druckvorstufe.

Werbe-Agenturen, freiberufliche Designer und Grafiker, die für ihre Kunden auch die Druckleistung übernehmen, sollten darauf achten, dass ihre Vermögensschadenhaftpflicht zusätzlich Versicherungsschutz für „Druckeigenschäden“bietet.

Mein Tipp:
Wer stark auf die Kosten für seine Vermögensschadenhaftplicht achten muss, sollte die Druckaufträge nur über den Kunden (nicht im eigenen Namen) abwickeln. Dann kann man sich Zusatzkosten für die Leistungserweiterung sparen. Je nach Druckerei kann man jedoch trotzdem für die „Vermittlung“ des Druckauftrags eine Agenturprovision erhalten.

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