Über Ralph Günther

Als Gründer der exali GmbH verfüge ich über langjährige Erfahrung im Riskmanagement und der Versicherung von IT-Experten, Medienschaffenden und Consultants. Mehr

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Fluch und Segen des Internets: Die Geschwindigkeit vernetzter Kommunikation online führt neben all ihren Vorteilen leider auch dazu, dass sich Irrtümer und Falschmeldungen schnell verbreiten. So auch beim Thema Berufshaftpflichtversicherung, wo ich im Netz regelmäßig auf Irrtümer und Fehleinschätzungen stolpere. Die wichtigsten habe ich gesammelt – und werde sie in einer kleinen Serie näher beleuchten und die Haftungssituation darstellen.

Denn: Wer sich hinsichtlich Notwendigkeit einer Berufshaftpflichtversicherung auf eine falsche Aussage im Netz verlässt, kann dies im Schadenersatzfall teuer bezahlen.

Irrtum 1: „Ich hafte nicht, da ich nur Beratungsleistungen erbringe.“

Sehr verbreitet unter Freiberuflern und Selbstständigen ist der Irrtum im Zusammenhang mit Beratungsleistungen. Vor allem IT-Freelancer und Unternehmensberater sind häufig der Meinung, dass sie für eine Beratung nicht haften zu müssen. Für diese angebliche „Haftungsfreistellung“ werden im Wesentlichen folgende Gründe angeführt:

  1. Ich mache keine technische Umsetzung (Programmierung oder Implementierung).
  2. Ich treffe keine Entscheidungen, sondern mache nur Vorschläge.
  3. Die endgültige Entscheidung trifft ohnehin der Projektleiter oder Geschäftsführer meines Kunden/Auftraggebers.
  4. Ich schulde kein konkretes Ergebnis.

Beratung im IT-Projekt: Die tatsächliche Haftungssituation

Aus haftungsrechtlicher Sicht erfolgt keine Differenzierung zwischen technischer Umsetzung (z.B. Programmierung oder Implementierung) und technischer bzw. IT-bezogener Beratung, wie die oben zitierten Meinungen suggerieren.

Rechtlich ist nur entscheidend, auf welcher vertraglichen Basis eine Leistung erbracht wird. In beiden Fällen ist von einem Dienstvertrag auszugehen; bei einer Programmierung, einer Website-Erstellung oder zum Beispiel bei der Erstellung eines Gutachtens könnte auch ein Werkvertrag zu Grunde liegen.

Beratervertrag oder: Pflichten im Dienstvertrag

Der wohl häufigsten vorkommende Vertragsform ist der Beratervertrag auf Dienstvertragsbasis. Aus diesem ergeben sich für den Berater bzw. Consultant bestimmte Pflichten, wie zum Beispiel

  • die Pflicht zur Einhaltung von Fristen und Terminen.
  • die Pflicht zur Vertraulichkeit/Datenschutz.
  • Informations- und Hinweispflichten (z.B. Schutz von Rechten Dritter).
  • die Kernpflicht zur „Experten-Leistung“, d.h. der Auftraggeber vertraut in das Können des beauftragten externen Beraters.

Werden die oben genannten Pflichten nicht eingehalten oder nach den Vorstellungen des Auftraggebers erfüllt, entsteht daraus Haftung.

Hohes Berufshaftpflichtrisiko bei besonders wichtigen Entscheidungen

Externe IT-Berater oder Unternehmensberater werden in aller Regel für besonders wichtige Entscheidungen zu Rate gezogen, für die das Know-how im eigenen Unternehmen fehlt oder für die man die Verantwortlichkeit nach „außen“ delegieren möchte. Hier ein paar Beispiele:

  • Anschaffung einer neuen Hardware-Infrastruktur
  • Anschaffung einer neuen Warenwirtschaftssoftware
  • Kauf- oder Verkauf und Unternehmen bzw. Unternehmensteilen (Mergers & Acqusitions)
  • Bewertung von Unternehmen/Unternehmensteilen
  • Standortanalysen für eine neue Niederlassung

Treffen der Projektleiter oder die Geschäftsführung auf Basis der Beratungsleistung dann eine Entscheidung, die zu Vermögensnachteilen (sprich Vermögensschäden) des Unternehmens führen, kann sich der Berater nicht darauf zurückziehen, mit der Entscheidung „nichts zu tun zu haben“.

Denn: Gerade die Vermeidung einer Fehlentscheidung war der Grund für die Beauftragung des externen Beraters und der Kern der geschuldeten Leistung.

Haftung von Beratern – auf den Punkt gebracht


falsche Beratung (siehe auch Pflichten oben)
+ enttäuschtes Vertrauen (des Kunden/Auftraggebers)
——————————————————————————————
= potentieller Schadenersatzanspruch gegen Berater

Bei der Umsetzung des Schadenersatz-/Regressanspruches gelten dann die üblichen Regeln des Zivilrechtes für eine Haftung aufgrund einer Schlechtleistung.

Es macht wenig Sinn, darüber zu philosophieren, ob der Kunde bzw. Auftraggeber die Höhe und Kausalität des Schadens beweisen kann. Dies ist im Zweifel eine Frage, mit der sich die Gerichte beschäftigen. Wie so oft dürften dabei der Glaube, nicht haftbar zu sein – und die gerichtliche Bestätigung dieser Meinung „zwei Paar Schuhe“ sein.

Berufshaftpflichtversicherung: Auch für Berater wichtig

Aufgrund der Haftungspotenziale im Beratungsumfeld ist die Berufshaftpflichtversicherung für IT-Berater oder Unternehmensberater ebenso wichtig wie für Freiberufler und Selbstständige, die die Beratung dann in die Praxis umsetzen.

Da das Hauptrisiko sicherlich beim finanziellen Nachteil des Kunden/Auftraggebers liegt, ist die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung der wichtigste Baustein. Diese übernimmt nicht nur den festgestellten Schadenersatz, sondern auch die Abwehrkosten (z.B. Anwalts-, Gutachter und Gerichtskosten), wenn dem Berater kein Verschulden nachzuweisen ist.

Nachdem Consultants jedoch auch vielfach unterwegs und vor Ort beim Auftraggeber tätig sind und Coachings und Trainings abhalten, sollte auch eine Betriebshaftpflichtversicherung zur Absicherung von Personen- und Sachschäden eingeschlossen sein.

Alle Artikel aus der Blog-Serie „Häufige Irrtümer zur Berufshaftpflichtversicherung“

8 Antworten auf “Häufige Irrtümer zur Berufshaftpflichtversicherung, Teil 1: Beratung und Haftungsrisiko”

  1. herbert walter sagt:

    Ich habe frueher bei einer grossen internationalen Unternehmensberatung gearbeitet und mich nun selbstaendig gemacht als Consultant im Bereich der Autozuliefererindustrie. Ein Versicherungsmakler hat mir eine Berufshaftpflichtversicherung fuer 4500 Euro im Jahr angeboten. Ich halte das fuer enorm viel, da ich ja nur als Einzelperson arbeite. Ich habe das Angebot abgelehnt und bin nun nicht versichert. Ist das ein Fehler?

  2. Nach meiner Erfahrung ist eine Berufshaftpflichtversicherung – wie im Artikel dargestellt – für Berater ein wichtiges Instrument im Riskmanagement (vor allem wenn man als Einzelfirma voll persönlich haftet).

    Ein Versicherungsbeitrag von 4.500 € scheint mir jedoch relativ hoch und hat sicherlich zu Ihrer Ablehnung der Berufshaftpflichtversicherung beigetragen. Ohne jedoch Ihre Beratungstätigkeiten im Detail zu kennen, kann ich keine sinnvolle Aussage über das Angebot des Versicherungsmaklers treffen. Bei exponierten Risiken kann es sicherlich zu höheren Beiträgen kommen. Ich kann Ihnen nur empfehlen, noch einmal eine zweite Meinung bzw. zweites Angebot einzuholen.

  3. Sandra Wertner sagt:

    Ich bin Psychologe und schreibe zum einen Werbetexte, zum anderen berate ich Patienten auch und führe Therapien durch. Beides ist für mich momentan nur eine freiberufliche Nebentätigkeit, im Hauptberuf bin ich fest angestellt. Bezüglich der Werbetexterei bin ich ja vor allem vom Risiko der Urheberrechtsverletzung betroffen, bei der Therapie habe ich das Risiko von Schadensersatzforderungen. Kann ich für beide Bereiche eine Berufshaftpflicht nutzen oder benötige ich da zwei verschiedene Verträge. Wie teuer würde das ungefähr werden? Wenn ich pro Jahr mehrere tausend EUR an Versicherungskosten hätte, dann würde sich die nebenberufliche Selbstständigkeit für mich ja gar nicht mehr lohnen.

  4. Da Sie in zwei sehr unterschiedlichen Bereichen tätig sind, läuft es vermutlich auf zwei Berufshaftpflichtverträge hinaus.

    Das kostet aber glücklicherweise nicht mehrere tausend Euro. Die Berufshaftpflicht für die Tätigkeit als Psychologe gibt es ab ca. 180 Euro im Jahr.
    Für die Tätigkeit als Werbetexterin müssen Sie als Existenzgründerin (= noch nicht länger als 12 Monate nebenberuflich tätig) mit ca. 340 Euro im Jahr rechnen.

    Nach meiner Recherche gäbe es eventuell die Möglichkeit, beide Risiken über einen Vertrag abzudecken. Da sich jedoch auch Versicherer auf bestimmte Bereiche spezialisieren, ist das oft eine Kompromisslösung.

    Ohne Ihren Fall im Detail zu kennen, tendiere ich daher zu der eingangs erwähnten Lösung: Sich über einen auf Heilberufe und Heilnebenberufe spezialisierten Versicherer sowie einen auf Medienrisiken spezialisierten Versicherer abzusichern.

  5. Corinna Claussen sagt:

    Ich bin Unternehmensberaterin und möchte mit einem Partner eine Partnerschaftsgesellschaft gründen (Themen: Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, Projektmanagement). Uns wurde der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung nahegelegt. Welche Deckungssumme ist denn ratsam und mit wie hohen Kosten müssen wir rechnen? Vielen Dank für eine erste Information.

  6. Erst einmal muss ich mich für die verspätete Antwort entschuldigen: Die Kommentarbenachrichtigung hat auf meinem Blog nicht funktioniert – und ich bin eben erst durch Zufall über die Frage gestolpert.

    Pauschal ist es schwierig, eine konkrete Deckungssumme zu nennen. Z.B. kann die angegebene Tätigkeit im Projektmanagement hohe Risiken bergen und damit hohe Deckungssummen notwendig machen. Etwa ein SAP Projekt, oder Projekte im Bereich Automotiv. Es gibt natürlich auch viele Projekte bei Kunden, die deutlich geringere Risiken bergen.

    Für Sie als Gründer einer Partnerschaftsgesellschaft beginnt die Berufshaftpflicht bei ca. 370,00 Euro im Jahr (Deckungssumme für Vermögensschäden 250.000 Euro).
    Bei der maximalen Deckungssumme von 2.000.000 Euro liegt der Jahresbeitrag bei rund 850,00 Euro. Eine Betriebshaftpflicht zur Absicherung von Personen- und Sachschäden habe ich im Beitrag berücksichtigt.

    Um noch eine konkretere Antwort zur Wahl der Deckungssumme zu geben, müsste ich allerdings die Kundenstruktur (beabsichtigte) und die Projekte besser kennen. Fragen gerne auch per Mail an info@exali.de.

  7. Jette Schega sagt:

    Was passiert, wenn der Auftraggeber seinen Pflichten nach Wahrheit, Vollständigkeit und Transparenz nicht nachkommt und die Arbeit des Beraters unmöglich macht?
    Termine werden abgesagt, Status nicht zeitgerecht beantwortet….

  8. Hallo Frau Schega,
    danke für Ihren Kommentar. Sie haben natürlich recht: Auch der Auftraggeber muss seinen Pflichten nachkommen. Tut er das nicht, wird es für den Berater schwierig, seine Arbeit korrekt zu machen. Auch hier ist es deshalb wichtig, alle Vereinbarungen schriftlich festzuhalten, um im Fall der Fälle einen Nachweis zu haben.
    Viele Grüße
    Ralph Günther

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