Über Ralph Günther

Als Gründer der exali GmbH verfüge ich über langjährige Erfahrung im Riskmanagement und der Versicherung von IT-Experten, Medienschaffenden und Consultants. Mehr

Zum Versicherungsportal

exali.de - Mein Business bestens versichert

RSS

RSS

Networking

Follow exali on Twitter  

Meta

Diese Seite wird überprüft von der Initiative-S

In Teil 3 meiner kleinen Serie über Gerüchte, Missverständnisse und Irrtümer rund um die Berufshaftpflichtversicherung habe ich mich bereits dem Thema „Mitversicherung“ gewidmet. Dabei kam zur Sprache, dass im Falle einer unstrittigen Mitversicherung der Freiberufler nicht in Regress genommen werden kann.

ABER: Aufgrund der ebenfalls in Teil 3 beschriebenen Abgrenzungsproblematik ist die Mitversicherung des Freelancers meist nicht mit letzter Sicherheit geklärt, denn häufig werden entsprechende Aussagen nur mündlich getroffen.

Regressverzicht gefährdet Versicherungsschutz des Auftraggebers

Rechtlich verbindlich sind aber nur schriftliche Regelungen (z.B. im Projektvertrag). Diese einzelvertraglichen Regelungen können allerdings den Versicherungsschutz des Auftraggebers gefährden.

So ist im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geregelt, dass durch einen vertraglichen Regressverzicht des Auftraggebers (z.B. Projektvermittler) an den Auftragnehmer (z.B. Freelancer) der Versicherer leistungsfrei wird. Dadurch würde der Auftraggeber die gesetzliche Regressmöglichkeit seines Versicherers „untergraben“, was er in der Praxis kaum machen wird.

Die Ausschlüsse einer Mitversicherung

Unterstellen wir nun einmal, dass der Freiberufler tatsächlich mitversichert ist. Dann gilt, dass bei Ansprüchen Dritter (z.B. Kunden, für den der Freelancer tätig wird) der Versicherer im Rahmen des bestehenden Versicherungsvertrages den Schaden reguliert.

ABER: Von dieser Regulierung ausgeschlossen sind bestimmte Teilbereiche wie

  • vereinbarte Selbstbeteiligungen (bei großen Auftraggebern sind Summen im fünf- oder sechsstelligen Bereich üblich),
  • Schadenersatzansprüche im Rahmen der Ausschlüsse des Versicherungsvertrages sowie
  • nicht versicherte Tätigkeiten.

In diesen Bereichen wird der Auftraggeber trotz Mitversicherung für den entstandenen Schaden den Freelancer in Regress nehmen. Davor würde nur eine vertraglich vereinbarte Haftungsfreistellung im Projektvertrag durch den Auftraggeber schützen, die meiner Erfahrung nach allerdings prinzipiell nicht gewährt wird.

Unbekannte Vertragsinhalte

Problematisch ist außerdem, dass der Freelancer in aller Regel keine Kenntnis über den tatsächlichen Vertragsinhalt hat – solange ihm nicht eine Kopie des Versicherungsvertrages und der Versicherungsbedingungen vorgelegt wird.

Auch hat der Freiberufler keine Möglichkeit, Schäden direkt mit dem Versicherer abzuwickeln, da nicht er der Versicherungsnehmer ist. Das heißt, die „Vertragshoheit“ liegt beim Auftraggeber und ist von seiner Mitwirkung abhängig.

So war in einem mir bekannten Fall vom Auftraggeber behauptet worden, dass eine Mitversicherung besteht. Im „Kleingedruckten“ des Projektvertag war denn jedoch geregelt, dass der Freiberufler für Schäden, die dem Vermittler oder dem Endkunden entstehen, bei grob fahrlässiger Verletzung wesentlicher Vertragspflichten haftet.

Interessenkonflikt bei Mitversicherung

Ein Aspekt, den der Freelancer niemals aus den Augen verlieren sollte und den ich aus der Praxis durchaus kenne: Es gibt Schadensfälle, bei denen der Anspruchsteller der Auftraggeber und nicht der Endkunde ist. Also genau derjenige, über den der Freiberufler mitversichert ist.

Hier geht es zum Beispiel um Ansprüche durch

  • „Verschulden aus Vertragsverhandlungen“
  • Auseinandersetzungen wegen Kundenschutzvereinbarungen
  • Kürzen des Honorars wegen (angeblicher) Schlechtleistung

Normalerweise unterstützt der Haftpflichtversicherer den Freiberufler auch bei der Abwehr unberechtigter Ansprüche und zahlt in diesem Zusammenhang z.B. Anwalts-, Gutachter- und Gerichtskosten (Passiver Rechtsschutz). Das ist auch im Interesse des Versicherers, denn er möchte schließlich nicht für ungerechtfertigte Ansprüche zahlen.

ABER: Wenn der aus Sicht des Freiberuflers ungerechtfertigte Anspruch (z.B. Kürzung des Honorars wegen angeblicher Schlechtleistung beim Endkunden) vom Versicherungsnehmer des Versicherungsvertrages kommt und der Freelancer nur „mitversicherte Person“ ist, wie groß ist hier das Interesse des Versicherers, auf seine Kosten den Freiberufler zu unterstützten?

Und noch ein Problem: Mitversicherung bei wechselnden Auftraggebern

Im IT-Projektmarkt ist es üblich, verschiedene Projekte über unterschiedliche Auftraggeber bzw. Projektvermittler abzuwickeln. Hier scheint die Mitversicherung wenig praktikabel, denn: Die Mitversicherung bezieht sich immer auf das konkrete Projekt beim aktuellen Auftraggeber und setzt natürlich voraus, dass alle Auftraggeber den Freelancer mitversichert hätten.

Das ist in der Praxis aber sicherlich eher die Ausnahme als die Regel.

Arbeitet der IT-Freiberufler für zwei Projekte parallel, ist es möglich, dass für das eine Projekt Versicherungsschutz besteht und für das andere eben nicht. Oder: Der eine Auftraggeber hat eine Selbstbeteiligung von 25.000 Euro vereinbart, beim nächsten sind es „nur“ 10.000 Euro. In beiden Fällen haftet der Freelancer trotz Mitversicherung selbst in Höhe dieser Summen.

Mitversichert oder nicht? Was also tun?

Die Aussage „Ich bin über meinen Auftraggeber mitversichert.“ ist mit vielen Haken und Ösen sowie Rechtsunsicherheiten für den Freiberufler verbunden. Abhilfe bietet nur eine eigene, auf die speziellen Tätigkeit und Branche des Freiberuflers abgestimmte Berufshaftpflichtversicherung.

Alle Artikel aus der Blog-Serie „Häufige Irrtümer zur Berufshaftpflichtversicherung“

Schreiben Sie einen Kommentar

Wenn Sie einen Kommentar abgeben, speichern wir zu den eingegebenen Daten Ihre IP-Adresse. Weitere Informationen finden sie in unserer Datenschutzerklaerung.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.