Über Ralph Günther

Als Gründer der exali GmbH verfüge ich über langjährige Erfahrung im Riskmanagement und der Versicherung von IT-Experten, Medienschaffenden und Consultants. Mehr

Zum Versicherungsportal

exali.de - Mein Business bestens versichert

RSS

RSS

Networking

Follow exali on Twitter  

Meta

Diese Seite wird überprüft von der Initiative-S

In der Kommunikationsbranche wird mit harten Bandagen gekämpft, Ausschreibungen und aufwändige Pitches gehören zur Schlacht um den besten Auftrag. Doch manchmal nutzen ausschreibende Unternehmen diese Konkurrenzsituation mit teilweise fragwürdigen Mitteln zu ihrem eigenen Vorteil und lassen die Agenturen am Ende ohne Auftrag im Regen stehen. Die Internetplattform pitchblog.de will diesen Unternehmen den Wind aus den Segeln nehmen und Fälle veröffentlichen, in denen Ausschreibungen unsauber waren und Pitches nur zur Ideenfindung, aber nicht zur Auftragsvergabe benutzt wurden.

pitchblog.de soll schwarze Schafe unter Unternehmen entlarven und die Kreativbranche schützen. Sind unseriöse Ausschreibungen und Pitches bald Geschichte?

Bitte Petzen! Plattform pitchblog.de will unseriöse Auftraggeber entlarven und so die Kommunikationsbranche schützen. Kann das funktionieren?! Wir haben nachgefragt…

Die Frage, ob ein „Online-Pranger“ die Lösung für unseriöse Auftraggeber ist, und wie Experten der Branche das Thema sehen, ist diese Woche Thema auf meinem Blog.

pitchblog.de, der edle Retter der fairen Ausschreibungskultur?

Hinter der Idee pitchblog.de steckt die Gesellschaft führender PR-Agenturen (GPRA). Sie hat sich vorgenommen, mit der Seite einen „Beitrag zu einer fairen und professionellen Pitch- bzw. Ausschreibungskultur in der gesamten Kommunikationsbranche zu leisten“, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Deshalb können nicht nur Negativbeispiele angeprangert, sondern auch Positivbeispiele gelobt werden. Dazu wird mit der Anwaltskanzlei Irle Moser LLP zusammengearbeitet. Sie betreibt die Plattform und soll für eine neutrale Prüfung sorgen. Ein Angebot für enttäuschte Agenturen wolle man nämlich nicht sein, betont die GPRA.

Wie funktioniert pitchblog.de?

Und das ist das Prinzip hinter den weißen Rittern für mehr Fairness im Kreativ-Business: Agenturen können ihre schlechten oder auch besonders guten Erfahrungen an die Redaktion von pitchblog.de schicken. Dort wird der Fall dann geprüft und gegebenenfalls veröffentlicht. Dabei bleibt die Agentur anonym, der Auftraggeber allerdings wird namentlich genannt.

Gestartet ist pitchblog.de mit drei negativen Fällen (sogenannten „Foul Pitches“) – dabei sind das Auswärtige Amt, die Tourismus-Agentur Schleswig Holstein und das marokkanische Fremdenverkehrsamt. Nun wird auf Rege Beteiligung der Branche gehofft. Positive Beispiele gibt es bisher nicht.

Doch ist ein „Online-Pranger“ wirklich die Wunderwaffe, die die Ausschreibungs- und Pitchingkultur in der Kommunikationsbranche vor dem „Sittenverfall“ retten wird und in gewünschte Bahnen lenkt? Und ist die Situation tatsächlich so gravierend, wie von der GPRA angeprangert?

Diese Fragen habe ich Experten aus der Kommunikationsbranche gestellt und sie um ihre persönliche Meinung gebeten.

Was Experten aus der Branche zu pitchblog.de sagen

Wolfgang Polzer, Affiliate-Marketing-Experte der Agentur xpose360, kennt die Situation der Branche und versteht den Gedanken, der hinter pitchblog.de steht.

„Gerade im Bereich Affiliate Marketing werden wir sehr oft zu Pitches eingeladen. Wir investieren sehr viel Zeit und Mühe in die Vorbereitung und die Analyse des Partnerprogramms, um dem Kunden Optimierungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

 Daher ist es sehr wichtig, dass der Advertiser alle geladenen Agenturen fair und gleich behandelt sowie auch tatsächlich beabsichtigt das Programm extern betreuen zu lassen und nicht nur Empfehlungen durch ‚Schein-Pitches‘ sammelt, welche im Anschluss intern umgesetzt werden.“

Bewirkt pitchblog.de wirklich eine Veränderung?

Richard Stinauer ist Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur adtraffic. Er glaubt nicht wirklich an den Erfolg des Portals und sieht die Mitschuld auch ein Stück weit bei den pitchenden Agenturen.

„Die hier thematisierten Pitches sind aus Agentursicht umfassende Beratungsleistungen, hinter denen i.d.R. mehrere Manntage Aufwand stehen. Diese sollten auch entsprechend wertgeschätzt und vergütet werden.

pitchblog wird zwar im Nachgang für mehr Transparenz in diesem Bereich sorgen, damit können ‚Foul Pitches‘ aber nicht verhindert werden. Solange es Agenturen und Dienstleister gibt, die ihre Leistung für solche Pitches kostenlos zur Verfügung stellen, wird es auch neues Material für pitchblog geben.“

Foul Pitches, eine Erfahrung aus der Praxis

Besonders interessant finde ich den Kommentar von Jan Imhoff. Er ist Geschäftsführer der Werbeagentur Agentur 22 und meldet sich mit einem Beispiel aus der Praxis zu Wort, das die Meinung von Richard Stinauer unterstreicht: Immer wieder gebe es Agenturen, die auch ohne Präsentationshonorar an Ausschreibungen teilnähmen und damit die Situation noch verschlimmerten.

„ Wir haben erst kürzlich bei HIPP eine Präsentation abgesagt, da hier zum einen der budgetäre Rahmen stark eingeschränkt war zum anderen kein Präsentationshonorar gezahlt werden sollte. Auf unsere Nachfrage hin wurde uns mitgeteilt, dass hier ‚von oben‘ kein Spielraum eingeräumt werde und sowieso genug Agenturen bereit seien mitzumachen.

Wir haben uns daraufhin gegen eine Teilnahme entschieden. Ob das Ganze überhaupt umgesetzt wurde oder nicht, kann ich leider nicht sagen“

Erst prüfen, dann pitchen

SEO-Experte Alexander Geißenberger von xpose360 sieht pitchblog.de mit gemischten Gefühlen. Seiner Meinung nach sollten Agenturen die Pitches, die sie abgeben, gut prüfen und nicht „blind“ bei allen ausgeschriebenen Terminen vorstellig zu werden.

Wir erleben es nicht selten, dass Unternehmen pro forma alle Agenturen in der Umgebung anfragen und komplett individuell zugeschnittene sowie unbezahlte Konzepte in der Vorarbeit erwarten. Auch wenn diese geliefert werden, projektiert das ausschreibende Unternehmen oftmals nicht und setzt teilweise die präsentierten Strategien nach Möglichkeit um. Diese Herangehensweise kann wahrscheinlich nur schwer unterbunden werden.

Je nach letztendlicher Umsetzung des kann dieser eine Hilfe für Agenturen darstellen. Aus momentaner Sicht ist es schwierig, die Qualität der Inhalte zu bewerten. Ein reines Firmen-Bashing aus Frust, bei Pitches nicht gewonnen zu haben, ist wenig hilfreich. Eher sollten Hilfestellungen bei Pitch-Bewertungen und einer möglichst effizienten Abarbeit der Präsentationen bereitgestellt werden. 

Ziel der Initiative sollte sein, ein möglichst besseres ‚Kunden-Agentur Verhältnis‘ herzustellen und nicht einen weiteren Keil einzuziehen.
Ich persönlich freue mich auf die weitere Entwicklung des und werde diese aktiv verfolgen.“

Fazit: Die Reaktionen auf pitchblog.de sind ganz klar verhalten. Zwar ist die Situation schwierig, aber als „Wundermittel“ wird die Plattform von den Experten nicht gesehen. Was ich besonders interessant finde: Dass die Branchenkenner auch ihren Mitbewerbern eine Teilschuld geben. Eine logische Folge: Wird auf unbezahlte Präsentationsaufrufe nicht reagiert, wird es diese in Zukunft auch nicht mehr geben.
Auf jeden Fall werde ich ein Auge auf pitchblog.de haben und bin gespannt, ob es sich dabei um eine Eintagsfliege mit großem Medienecho handelt, oder ob damit tatsächlich eine Verbesserung der Ausschreibungskultur angestoßen werden kann.

Weiterführende Informationen

Schreiben Sie einen Kommentar

Wenn Sie einen Kommentar abgeben, speichern wir zu den eingegebenen Daten Ihre IP-Adresse. Weitere Informationen finden sie in unserer Datenschutzerklaerung.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.