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SEO-Verträge sind Werkverträge: Diese Meldung, abgeleitet aus einem Urteil des Landgerichts Amberg, sorgt derzeit für Diskussionen in der SEO-Szene und unter Rechtsanwälten. Denn würde diese Entscheidung „Schule machen“, könnte das gravierende (vertragliche) Konsequenzen für alle Anbieter von Suchmaschinenoptimierung haben: Im Sinne des Werkvertrags würden sie nicht mehr nur die vereinbarte Leistung schulden, sondern auch konkreten und messbaren Erfolg. Eine sogenannte Gewährleistungspflicht, die vielen SEO-Experten die Sorgenfalten auf die Stirn treibt – denn nicht nur die undurchsichtigen Algorithmen von Google machen es schier unmöglich, ein gesteigertes Ranking auch verbindlich zu garantieren…

Für viele SEO-Anbieter eine Situation zum Verrücktwerden: Muss bei Backlink-Verträgen per se Werksvertragsrecht angenommen werden? Das Urteil, die Diskussion und viele Hintergundinfos...a

Für viele SEO-Anbieter eine Situation zum Verrücktwerden: Muss bei Backlink-Verträgen per se Werksvertragsrecht angenommen werden? Das Urteil, die Diskussion und viele Hintergundinfos…a

Auf meinem Blog will ich diese Woche deshalb genauer unter die Lupe nehmen, was (nicht nur) in der SEO-Szene für große Aufregung sorgt. Dabei geht es um das Urteil, die Diskussion und Hintergrundinformationen, die Fragen auf die wichtigsten Antworten liefern.

Backlink-Vertrag: Landgericht nimmt Werkvertragsrecht an

Und das war der Auslöser für die Diskussion um SEO als Werkvertrag: Ein freiberuflicher Texter hatte eine SEO-Agentur damit beauftragt, innerhalb von drei Monaten jeweils 228 Backlinks auf seine Webseite zu setzen. Kostenpunkt insgesamt 351 Euro.

Doch wie das so oft der Fall ist in der Praxis: Der freiberufliche Texter war alles andere als zufrieden mit der Performance seiner SEO-Agentur. Die hatte nämlich innerhalb der Vertragslaufzeit nicht nur weniger Backlinks als vereinbart platziert, sondern einige der Links als Blogkommentare im Namen des freiberuflichen Texters gesetzt. Eine Persönlichkeitsrechtsverletzung.

Der Auftraggeber klagte, der Fall landete vor dem Amtsgericht Amberg – wo sich die Richter noch mit einem weiteren Punkt im Klageantrag beschäftigten. Nämlich, ob der freiberufliche Texter Anspruch auf die Rückzahlung seines bereits gezahlten Honorar hat. Das Gericht musste also den Vertragstyp bestimmen – und nahm in seinem Urteil (14 O 417/12) Werkvertragsrecht an.

Dienstvertrag vs. Werkvertrag:

Wer von seinem Auftraggeber per Dienstvertrag nach § 611 BGB verpflichtet wird, schuldet seinem Kunden die (Dienst-)Leistung – in Abgrenzung zum Werkvertrag §§ 631 ff. BGB jedoch NICHT den Erfolg. Beim Dienstvertrag bleibt die Erfolgsverantwortung somit beim Auftraggeber (Dienstberechtigten).

Das Wesen des Werkvertrags dagegen liegt in der Erfolgsbezogenheit – der Auftragnehmer schuldet demnach einen konkreten und messbaren Erfolg.

SEO als Werkvertrag: Konsequenzen für freiberufliche Dienstleister

Eine Entscheidung, die gravierende Einschränkungen für alle Anbieter von SEO-Leistungen haben kann, wie Rechtsanwalt Christoph Becker in seinem Beitrag „SEO – Ab jetzt ein Werkvertrag“ warnt, der die Diskussion vergangene Woche ins Rollen gebracht hat.

Denn: Werden SEO-Dienstleistungen per Werkvertrag erbracht, kann der Auftraggeber Nachbesserung, Minderung, Schadenersatz und sogar seinen Rücktritt vom Vertrag gelten machen, wenn die Leistung nicht für den gewünschten Erfolg sorgt.

Und welcher SEO kann wirklich eine Steigerung des Rankings garantieren – was nicht zuletzt auch an „unkalkulierbaren“ Faktoren wie Google selbst liegt?!

Handlungsbedarf: SEO-Experten sollten ihre Verträge anpassen

Wie sich also als freiberuflicher SEO-Experte schützen? Dazu empfiehlt Christoph Becker in seinem Artikel zwei entscheidende Änderungen, was künftige Verträge mit Auftraggebern angeht:

  1. „Die Beschränkung des Kündigungsrechts auf die Kündigung aus wichtigem Grund“. Und zwar sollte diese Klausel laut dem Rechtsexperten im Vertrag stehen und nicht in den AGB.
  2. „Die genaue Bezeichnung der zu erbringenden Werkleistung, mit Augenmerk darauf, dass z. B. das Einstellen der Links und nicht das Steigen des Rankings der Erfolg des Werkvertrages sein soll“.

Übrigens: Im Interview „SEO-Optimierung nur noch mit Werkvertrag?“ auf seo-united geht der Anwalt im Gespräch mit Heiner Hemken (SEO-Experte uns selbst Anbieter von SEO-Dienstleistungen) noch detaillierter auf den Fall ein und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen – wie:

  • Was bedeutet das Urteil für SEO-Agenturen?
  • Was sollten SEO-Anbieter in ihren Verträgen angeben?
  • Wie sollten sich SEOs gegenüber ihren Kunden verhalten – Tipps für die Praxis?

Ein sehr lesenswertes Interview, wie ich finde – mit vielen wichtigen Infos zum Thema, dem Rechtsurteil und Tipps zur Risikoprävention.

Was das Urteil in puncto Versicherungsschutz bedeutet

Die Diskussion und der vor dem Landgericht Amsberg verhandelte Fall zeigen, was ich immer wieder in der Schadenspraxis feststelle: Wer konkrete Leistungen verspricht, muss sich daran messen lassen. Und wenn der Kunde nicht zufrieden ist mit der abgelieferten Leistung, stellt er (zu Recht) Ansprüche / Schadenersatzansprüche an seine beauftragte SEO-Agentur.

In puncto Versicherungsschutz für Freiberufler und Agenturen ergibt sich draus ein wichtiger Punkt: Eine spezielle Berufshaftpflicht sollte auch Garantie- und Gewährleistungsansprüche aus Werkverträgen und im Zweifelsfall auch haftungsverschärfende Regelungen (so genannte Vertragliche Haftung) aus den Verträgen mit dem Kunden versichern.

Da beim Werkvertrag der Kunde im Falle der Schlechtleistung generell auch die Möglichkeit zum Rücktritt vom Vertrag hat, ist eine zusätzliche Leistungserweiterung zur Abfederung der eigenen Kosten (Eigenschaden) bei einem „Rücktritt des Auftraggebers vom Projekt“ zu empfehlen.

Panikmache? Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen…

Übrigens: Nicht nur unter SEO-Experten hat das Urteil des Landgerichts für Diskussionen gesorgt – sondern auch unter Rechtsexperten. Rechtsanwalt DR. Martin Schirmbacher beispielweise schreibt in seinem Artikel „‘SEO als Werkvertrag‘ oder der Weltuntergang im Sommerloch“, die Meldung über das fast ein Jahr alte Urteil sei in dieser Absolutheit Unsinn – eine Sensation, die keine wäre.

In seiner Argumentation führt er an, dass es bei solchen Themen immer auch auf den Einzelfall ankommt und schreibt dazu:

„Ob in Zukunft ein Gericht, das über einen Vertrag über SEO-Leistungen zu entscheiden hat, seiner Entscheidung Dienstvertragsrecht oder Werkvertragsrecht zugrunde legen wird, hängt von den vertraglichen Absprachen im Einzelfall und keineswegs von einem Urteil eines bayerischen Landgerichts über einen speziellen Einzelfall ab.“ Dazu seien die Leistungen zu vielschichtig, die Bestandteil eines SEO-Vertrages sein können, so der Experte.

So oder so: Auch ich bin kein Fan von großer Panikmache – dennoch finde ich die Diskussion einen guten, wichtigen und richtigen Anstoß für alle SEO-Agenturen (und alle anderen Freiberufler) sich Gedanken um die Irrungen und Wirrungen des Vertragsrechts sowie die richtige Absicherung im Ernstfall zu machen. Dazu gehört es auch, sich mit dem einen oder anderen unliebsamen und „trockenen“ Themen zu beschäftigen – meiner Meinung nach unabdingbarer Teil der Risikoprävention.

Weiterführende Informationen

2 Antworten auf “Ist ein SEO Linkbuilding-Vertrag ein Werkvertrag? Das Urteil, die Diskussion und viele Hintergrundinfos”

  1. […] per se ein Werkvertrag? Das Urteil, die Diskussion und viele Hintergrundinfos findet ihr unter https://www.rgblog.de/seo-werkvertrag/ https://www.christophbecker.org/seo-a…n-werkvertrag/ […]

  2. skseo sagt:

    Der Artikel ist ein wenig irreführend. Es wird impliziert, dass der Erfolg des Werkvertrages die Position im Googleranking ist. Das wäre es aber nur, wenn dies ausdrücklich festgelegt wurde. Der Erfolg eines Werkvertrages ist die messbare vereinbarte Leistung. Und bei Linkbuilding ist dies meines Erachtens nur das Setzen von Backlinks und der messbare Erfolg, dass die Backlinks gesetzt wurden.

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