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700.000 Kommentare bei einem Gewinnspiel innerhalb nur weniger Stunden: Was sich am Dienstag auf der Fanpage des Münchner Radio-Senders Charivari abgespielt hat, sprengt alle in Deutschland je dagewesenen Rekorde – im Guten, wie im Schlechten. Am Ende aber wohl eher im Schlechten. Denn der Sender vergaß bei seiner 10.000 Euro-Auslosung Entscheidendes: Er teilte nicht mit, WANN das Gewinnspiel endet. Einer (von mehreren) kapitalen Fehlern. Denn damit verstieß er nicht nur gegen die Richtlinien von Facebook, weshalb das Posting zum Spiel mittlerweile gelöscht wurde – sondern provozierte auch tausende verärgerte User. Mittlerweile tobt auf der Fanpage der Shitstorm…

700.000 Kommentare – und das Gewinnspiel trotzdem an die Wand gefahren. Dieser Post des Münchner Radiosenders Charivari sorgte am Dienstag erst für ein virales Lauffeuer, dann für einen Shitstorm. Mittlerweile wurde er von Facebook gelöscht. Grund: Verstoß gegen die Richtlinien. (Screenshot: Facebook - Fanpage Radio Charivari)

700.000 Kommentare – und das Gewinnspiel trotzdem an die Wand gefahren. Dieser Post des Münchner Radiosenders Charivari sorgte am Dienstag erst für ein virales Lauffeuer, dann für einen Shitstorm. Mittlerweile wurde er von Facebook gelöscht. Grund: Verstoß gegen die Richtlinien. (Screenshot: Facebook – Fanpage Radio Charivari)

Die an die Wand gefahrene Aktion des Radiosenders zeigt: Gewinnspiele auf Facebook sind und bleiben kein Spaziergang. Auch nicht mit den gelockerten Richtlinien, die seit Neuestem Spiele auf der Timeline zulassen. Doch jetzt erst mal der ganze Fall von vorne.

Viraler Flächenbrand: 700.000 Nutzerkommentare auf der Fanpage

Es ist ein Foto mit kurzem Text, das sich am Dienstag (15. Oktober 2013) zum viralen Flächenbrand entwickelt: Auf dem Bild ist das Moderatoren-Team Jan Herold und Jenna Depner vom Münchner Radiosender Charivari zu sehen, ein dickes Bündel Geldscheine in der Hand. Darunter steht: „ 10.000,- Euro!!! Der letzte Kommentar bekommt die Kohle!! *herold & jenna“.

Der Post schlägt ein wie eine Bombe, entwickelt sich zum viralen Lauffeuer: Innerhalb weniger Stunden haben bereits 175.000 User unter dem Beitrag kommentiert. Am Ende sind es knapp 700.000 (!).

Sowas gab es bislang noch nie. Die Aktion – ein voller Erfolg?! Wohl eher weniger, denn schon bald darauf droht das Gewinnspiel den Machern um die Ohren zu fliegen.

Stimmung schlägt um: Shitstorm auf Pinnwand des Radio-Senders

Denn der Sender hat in seinem Post eine wichtige Info vergessen: Wann das endet. Das verstößt nicht nur gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook (dazu später mehr), sondern verärgert auch die User. Die Stimmung kippt. Und das Spiel entwickelt sich zum ausgewachsenen Shitstorm, der nun in voller Härte auf der Pinnwand des Senders niederprasselt.

Die User zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Spiels , sie fühlen sich „verarscht“ (um aus einem der zahlreichen Kommentare zu zitieren), greifen den Sender persönlich an, lassen ihrer Wut über das für sie dubiose Gewinnspiel freien Lauf.

Verstoß gegen Promotion-Richtlinien: Facebook löscht Post

Die Aktion wächst dem Radio-Sender völlig über den Kopf. Schließlich kommt es zur „Krönung“: Facebook selbst setzt dem unkontrollierbaren Treiben auf der Fanpage-Pinnwand am Mittwoch ein Ende – und löscht den Post.

Grund: Auch wenn Gewinnspiele nach Lockerung der Promotion-Guidelines jetzt (statt lediglich in Apps) auch auf der Timeline stattfinden dürfen – gibt es doch einige Richtlinie, die eingehalten werden müssen.

Vorgaben, an die sich Radio Charivari in seinem Post nicht gehalten und damit angreifbar gemacht hat:

  • Es fehlen die Teilnahmebedingungen. (Wer darf mitmachen – wer ist ausgeschlossen? Dürfen Mitarbeiter vom Sender mitmachen? Oder Kinder? Ist der Rechtsweg ausgeschlossen?)
  • Es fehlt der Hinweis, dass Facebook selbst nichts mit dem erwähnten Gewinnspiel zu tun hat.
  • Keine klare Info / Zeitangabe, WANN das Gewinnspiel beginnt und zu welchem Zeitpunkt es ENDET
  • Keine Info, wie der Gewinner benachrichtigt wird
  • Kein Datenschutzhinweis (was passiert mit den gesammelten Daten?)

Clevere Idee – falsche Umsetzung: Das zeigt das PR-Desaster des Radiosenders so plastisch wie nur möglich. Auch die gelockerten Promotion-Guidelines schützen vor Stolperfallen und Fehlerquellen bei Gewinnspielen auf Facebook nicht.

Ein Thema, das ich vor einigen Wochen auch im Beitrag Facebook ändert die Promotion-Richtlinien: Neue rechtliche Fallstricke?! Was die Neuerungen bedeuten aufgegriffen habe.
Darin erfahrt ihr, was neuerdings erlaubt und weiterhin tabu ist in punkto Gewinnspiele auf Facebook – genauso wie im Beitrag Rechtliches 1×1: Die neuen Facebookregeln und gesetzlichen Vorgaben für Gewinnspiele auf Facebook von Rechtsanwalt Thomas Schwenke.

 Shitstorm Runde 2: Noch kein Gewinner gefunden

Und Radio Charivari? Der Sender selbst schweigt bislang (Stand Mittwochnachmittag, 16. Oktober 2013) beharrlich. Lediglich am Vormittag hatte er einen kurzen Post abgesetzt, das Spiel sei von Facebook gelöscht worden.

Keine Krisenkommunikation also, was natürlich nicht unbedingt zur Besänftigung der User beiträgt. Genauso wie die Tatsache, dass es nach jetzigem Stand noch keinen Gewinner für die ausgelobten 10.000 Euro gibt.

Und so tobt der Shitstorm auf der Pinnwand des Senders weiter – sozusagen in Runde zwei.
Zudem könnte er von einem Konkurrenten abgemahnt werden, denn „Letzter Kommentar“-Gewinnspiele ohne transparente Teilnahmeregeln sind wettbewerbswidrig.

Am Ende hat die Aktion den Sender also mehr gekostet, als ihm gebracht. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. In der Netzwelt (und darüber hinaus) steht er jetzt zwar im Rampenlicht und hat gezeigt, wie man (wenn auch umstritten) in kürzester Zeit 700.000 Kommentare abstaubt.

Wirklich viele neue Fans hat er aber nicht dazugewonnen: Die Zahl der ursprünglichen 23.000 vergrößerte sich gerade mal um 5.000 mehr. Ein Preis von zwei Euro pro Fan, gemessen an den ausgelobten 10.000 Euro Gewinn – und damit teurer als Facebook-Werbung, wie das Portal meedia im Beitrag Radio-Aktion: der 700.000-Kommentare-Flop schreibt.

Autsch!

Übrigens: Im Fundstück der Woche am kommenden Montag geht es auch um die neuen Facebook-Promotion-Richtlinie – genauer: die Vor- und Nachteile von Gewinnspielapps vs. Gewinnspielen auf der Fanpage-Timeline.

Update:
Nach fast 24 Stunden Schweigen zu den Vorfällen auf seiner Pinnwand und seinem gelöschten 10.000-Euro-Gewinnspiel von Facebook hat Radio Charivari am Donnerstagmittag (17. Oktober 2013) Stellung auf seiner Fanpage bezogen. In einem Post informiert der Sender, das Geld gehe an eine Beratungsstelle für trauernde Kinder und Jugendliche gehen – sollte der rechtmäßige Gewinner (= Nutzermit dem letzten Kommentar) nicht bis kommenden Montag ausfindig gemacht werden können.

Damit hat der Radiosender quasi Shitstorm Runde drei eingeläutet, denn die User sind von der Krisenkommunikation auf der Fanpage – vorsichtig ausgedrückt – nur mäßig begeistert…

Shitstorm Runde drei: Knapp 24 Stunden nachdem Facebook seinen Post zum 10.000-Euro-Gewinnspeil gelöscht hat, bezog der Radiosender Stellung. Die User sind nur mäßig begeistert, wie auch die Kommentare zeigen… (Screenshot: Facebook – Fanpage Radio Charivari)

Shitstorm Runde drei: Knapp 24 Stunden nachdem Facebook seinen Post zum 10.000-Euro-Gewinnspeil gelöscht hat, bezog der Radiosender Stellung. Die User sind nur mäßig begeistert, wie auch die Kommentare zeigen…
(Screenshot: Facebook – Fanpage Radio Charivari)

Weiterführende Informationen

4 Antworten auf “Radio Charivari fährt 10.000 Euro-Gewinnspiel an die Wand: Shitstorm auf Facebook”

  1. Naja, so ganz neu war die Aktion nicht. Kürzlich hat ein Rapper aus der Schweiz schon mal den gleichen Trick angewendet: https://www.thomashutter.com/index.php/2013/09/facebook-der-letzte-kommentar-gewinnt-ein-beispiel-fuer-den-miss-erfolg-eines-pinnwandgewinnspiels/ Mit ein bisschen Recherche hätten die Charivari-Leute also bemerken können, dass die Idee doof ist.

  2. […] Die ganze Geschichte des an die Wand gefahrenen Gewinnspiels und Hintergrundinfos zu den neuen Promotion-Richtlinien bei Facebook gibt’s hier. […]

  3. Olaf sagt:

    Ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Aber mal im Ernst. Ein Gewinnspiel, bei dem der letzte Kommentar gewinnt und ein fester Zeitpunkt genannt wird, an dem das Spiel endet, hat doch auch seinen Sinn verfehlt, oder? Dann hat man erst gar keine Kommentare und eine Minute vor Ablauf schreiben dann 175.000 User gleichzeitig. Was wird dann wohl mit dem Server passieren?

  4. Janette G. Cantu sagt:

    WER hat den nun den letzten Kommentar gepostet? Nun wurde die Aktion, wenn auch durch einen Dritten, beendet UND es gibt den letzten Kommentar. Heißt die 10.000,- Euro MÜSSEN ausbezahlt werden. Rechtlich betrachtet stand in der Beschreibung NICHT, dass die Aktion durch Charivari beendet werden muss, sondern es ging um den letzten Kommentar.

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