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Eine Software zu programmieren dauert Monate bis Jahre – gerade mal 45 Minuten dauerte es dagegen, die seit 17 Jahren bestehende amerikanische Aktienhandels-Firma Knight Capital wegen einer Softwarepanne an den Rande des Ruins zu bringen. Denn nach dieser Zeit war das Wall-Street-Unternehmen um ganze 440 Millionen Dollar (!!!) leichter. Ein „Nightmare on Wall Street“ – und das alles nur wegen eines Fehlers in einer neu eingesetzten Computersoftware…

„Nightmare on Wall Street“: In gerade mal 45 Minuten verlor die Aktienhandels-Firma Knight Capital ganze 440 Millionen Dollar – und das alles nur wegen einer Softwarepanne…

„Nightmare on Wall Street“: In gerade mal 45 Minuten verlor die Aktienhandels-Firma Knight Capital ganze 440 Millionen Dollar – und das alles nur wegen einer Softwarepanne…

Der Riesenverlust der Finanzfirma zeigt, wie schnell ein kleiner Software-Bug immensen Schaden anrichten kann. Und damit handelt es sich mal wieder um einen Fall, den ich mit Euch weiterdenken will: Was wäre, wenn Ihr als freiberuflicher IT-Experte für Euren Kunden eine Software programmiert habt, die am Ende völlig aus dem Ruder läuft?!

Programm überflutet Markt mit fehlerhaften Handelsaufträgen

Umgerechnet 359 Millionen Euro Verlust – und das in nur 45 Minuten: Hätten die Verantwortlichen der Wall-Street-Firma Knight Capital wohl auch nur im Entferntesten geahnt, dass sie ein Programmier-Fehler Kopf und Kragen kostet – sie hätten wohl nie eine Computersoftware dazu eingesetzt, mit Aktien zu zocken.

Allerdings ist das beim sogenannten High Frequency Trading – übersetzt: Hochfrequenz- oder Automatisierter Handel – nicht anders möglich. Zur Erklärung: Beim Hochfrequenz-Handel werden Wertpapiere extrem schnell gekauft und wieder abgestoßen. So schnell, dass dies nur durch automatisierte (computergesteuerte) Prozesse möglich ist.

Was man sich davon verspricht, sind kurze Haltefristen und ein hoher Umsatz , was im Zusammenhang mit der von Knight Capital eingesetzten Computersoftware – gelinde ausgedrückt – völlig nach hinten losging: Stattdessen sorgte ein fehlerhafter Algorithmus der eingesetzten Software dafür, dass innerhalb von Minuten tausende Aufträge in die Handelssysteme der New Yorker Börse NYSE eingespeist wurden, die eklatant vom ansonsten herrschenden Marktpreis abwichen.

Und Schwupps: Nach nur eine Dreiviertelstunde hatte das Traditions-Unternehmen auf diese Weise rund 150 viel zu teure Aktien gekauft – ein Verlust von umgerechnet 359 Millionen Euro.

Freiberuflicher IT-Experte haftet für finanzielle Nachteile Dritter

Seitdem kämpft die Wall-Street-Firma ums Überleben, wie auch die Beiträge auf heise.de drastisch schildern (siehe: Weiterführende Informationen).

Ich möchte den Fall nun ein wenig weiterdenken: Wer ist denn eigentlich schuld, wenn eine Software nicht so funktioniert, wie sie sollte? Im Fall des freiberuflichen IT-Experten, der für seinen Auftraggeber eine Software programmiert hat, die Fehler aufweist – und schlimmer noch – seinem Kunden damit einen finanziellen Nachteil zufügt, ist die Antwort klar:

Der IT-Freiberufler haftet für den Schaden, den er einem Dritten zugefügt hat. Was gleichzeitig heißt: Er kann von seinem Kunden zur Kasse gebeten werden.

Dass es sich dabei wie im Fall der Aktienhandels-Firma um eine Größenordnungen von 440 Millionen Dollar handelt, ist – zugegeben – natürlich etwas weit hergeholt. Knight Capital wird wohl kaum einen einzelnen IT-Freiberufler damit beauftragt haben, eine derartige Software zu programmieren.

Allerdings macht der Verlust von Knight Capital deutlich, wie schnell sich ein nur kleiner Fehler, ein kleiner Bug, zum ausgewachsenen Schadenfall mit Eigendynamik entwickeln kann.

Und auch meine Schadenspraxis als Versicherungsmakler zeigt: Wenn es zu Softwarepannen durch Bugs in der Programmierung kommt, sind die in den allermeisten Fällen auch nicht wirklich „billig“. In der Regel geht es dabei zwar nicht um dreistellige Millionen-Beträge – jedoch durchaus um Summen, die dem IT-Freiberufler seine Existenz kosten könnten, müsste er sie aus eigener Tasche zahlen.

AGB schließen Haftung nicht aus

Um solche Szenarien zu vermeiden haben freiberufliche IT-Experten großes Interesse daran, ihre persönliche Haftung durch Ausschlüsse oder Begrenzungen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder sonstigen vertraglichen Vereinbarungen auszuschließen.

Die schlechte Nachricht: Durch AGB kann die Haftung zwar begrenzt – allerdings niemals komplett ausgeschlossen werden. Und auch die Haftungsbegrenzung ist mit Stolperfallen verbunden.

So zeigt die Praxis, dass Begrenzungen in Geschäftsbedingungen einer juristischen Überprüfung nur zum Teil standhalten. Vor allem, wenn es um den Versuch geht, die Haftung für grobe Fahrlässigkeit sowie wesentliche Vertragspflichten (wie dem einwandfreien Funktionieren einer Software) zu begrenzen. Das verdeutlichen auch diverse Gerichtsurteile aus den vergangenen Jahren.

Im Klartext bedeutet das: Haftungsausschlüsse bieten in der Praxis keinen, Begrenzungen lediglich eingeschränkten Schutz vor Schadenersatzansprüchen Dritter. Bei einer „Schlechtleistung“ oder „Nichterfüllung“ der vereinbarten Leistungen kann der freiberufliche IT-Experte im Großteil der Fälle deshalb haftbar gemacht und zur Kasse gebeten werden.

IT-Haftpflicht springt im Schadenfall ein

Das zeigt, wie wichtig eine IT-Haftpflicht in der Praxis ist, die auch Versicherungsschutz in Bereichen bietet, die über die AGB nicht wirksam ausgeschlossen werden können (z.B. grobe Fahrlässigkeit, Verstoß gegen Kardinalpflichten, unvorhersehbare Schäden).

Im Schadenfall übernimmt sie die Kosten für den Vermögensschaden (= finanzieller Nachteil, der einem Dritten durch den Fehler des IT-Freiberuflers zugefügt wurde).

Eine wichtige Leistung, denn Vermögensschäden können nicht nur als Folge eines Bugs in der Programmierung oder eines Softwarefehlers verursacht werden, sondern auch durch Datenverlust, die Weitergabe virenbehafteter Dateien, Rechtsverletzungen oder die Nichteinhaltung vereinbarter Deadlines – um nur einige weitere Haftungsrisiken zu nennen.

Denn das Vermögensschäden nicht nur im Finanzbereich erheblichen Schaden anrichten können, zeigt auch dieser Beitrag: Plötzlich ist alles im Online-Shop zur Hälfte reduziert – Wenn der Freiberufler für Software-Fehler haftet.

Weiterführende Informationen

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