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„Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe“, besagt ein altes Sprichwort. In diesem Fall war es allerdings kein weibliches Hausrind, das dem Landwirt Mühe machte, sondern die Beschaffung von Subventionen für neue Stallungen. Genauer gesagt: die Einwerbung europäischer Fördermittel. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte der Bauer damit einen auf diesen Bereich spezialisierten Consultant beauftragt. Weil jedoch verpflichtende Fristen nicht eingehalten werden konnten, blieb am Ende der erhoffte Erfolg aus. Bilanz: Mehr als 100.000 Euro in den Sand gesetzte Investitionen – und ein wütender Landwirt, der den verantwortlichen Consultant in Haftung nahm…

Frist verpasst, Subvention für Stallungsbau nicht genehmigt, 100.000 Euro in den Sand gesetzt: Landwirt nimmt beauftragten Consultant in Haftung.

Das geht auf keine Kuhhaut: Weil er die Frist zur Beantragung von Subventionen für neue Stallungen verpasst hatte, setzte ein Landwirt 100.000 Euro in den Sand – und nahm den von ihm beauftragten Consultant in Haftung…

Im Schadenarchiv meines Portals exali bin ich auf den Fall aus dem Beraterumfeld gestoßen, der zeigt, wie viel Schaden eine verpasste Frist anrichten kann. Darum geht es diese Woche auf meinem Blog. Bei dieser Gelegenheit will ich auch mit dem verbreiteten Irrtum aufräumen, dass wer „nur“ berät, angeblich nicht in Haftung genommen werden könne…

Ziel: Einwerbung europäischer Fördermittel für Stallungsbau

Die ganze Geschichte des Schadenfalls: Viele freiberufliche Consultants bzw. Beratungsunternehmen haben sich auf die Prüfung und Beantragung von Fördermitteln spezialisiert. So auch dieser Consultant, der sich im Bereich Agrarwirtschaft einen Namen gemacht hatte.

Aus diesem Grund wurde er von einem Landwirt beauftragt, der sich Subventionen aus nationalen und europäischen Fördertöpfen erhoffte. Damit, so das Ziel, sollten neue Stallungen für Milchkühe errichtet werden.

Kein einfaches Unterfangen. Wer schon einmal mit der Beschaffung von Fördermitteln zu tun hatte (ich denke hier auch an die Gründer unter meinen Lesern), weiß: solche Subventionen sind an viele Pflichten und Voraussetzungen gebunden.

Im vorliegenden Fall beispielsweise daran, dass der Neubau der Stallung bestimmte EU-Vorschriften zur Tierhaltung erfüllen musste. Und natürlich sollten die genehmigten Planungsunterlagen für den Bau bis zu einer bestimmten Frist bei der zuständigen Behörde eingereicht werden.

Antrag abgelehnt: Planungsunterlagen nicht fristgerecht eingereicht

Frist ist Frist – daran gibt es nichts zu rütteln. Genau das wurde jedoch zum Problem: Nicht nur, dass die Unterlagen zu spät beim Bauamt eingereicht worden waren und nun bei der fristgerechten Beantragung der Fördermittel fehlten – auch waren im Plan selbst verpflichtende Auflagen nicht berücksichtigt worden. Folge: Der Antrag auf Subventionen für den Stallungsbau wurde abgelehnt.

Ein „Supergau“ für den Landwirt. Er hatte fest mit den Fördermitteln gerechnet und bereits in den neuen Stallungsbau investiert: Tiere und Futtermittel angeschafft – dafür sogar ein Darlehen bei einer Bank aufgenommen. Kostenpunkt: Mehr als 100.000 Euro…!

Man kann sich vorstellen, dass die „ländliche Idylle“ an diesem Punkt ein jähes Ende fand. Natürlich stand für den Landwirt schnell fest, wem er die verpassten Fördermittel zu „verdanken“ hat: Der mit der Einwerbung der Fördermittel beauftragte Consultant. Ihn nahm er nun für den entstandenen Schaden in Haftung.

Mit Irrtum aufräumen: Auch wer „nur“ berät, kann haftbar gemacht werden

Aber ist das überhaupt möglich: Wer „nur“ berät, kann dafür doch nicht haftbar gemacht werden?! Falsch. Er kann sehr wohl – um an dieser Stelle die Gelegenheit zu nutzen, mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen.

Fakt ist: Auch wer lediglich eine Beratungsleistung erbringt und keine eigenen Entscheidungen fällt, muss gewisse Pflichten erfüllen (und dazu gehört beispielsweise auch die Pflicht zur Einhaltung von Fristen und Terminen).

Genauso wie Dienstleister, die Konzepte aktiv umsetzen und entscheiden, schuldet also auch der rein beratende Consultant ein konkretes Ergebnis – und kann für seine Beratung, die Richtigkeit seiner Handlungsanweisungen, Vorschläge, Empfehlungen und Analysen, zur Verantwortung gezogen werden.

So war im vorliegenden Fall die Beschaffung der Subvention Grund für die Beauftragung des Consultants und damit Kern der geschuldeten Leistung.

Rechtsbeistand & Schadenzahlung: Consulting-Versicherer klärt „Schuldfrage“

Dass der Consultant nun allerdings als „alleiniger Schuldiger“ in der Schusslinie stand – so einfach war der Fall dann doch nicht. Neben dem Berater waren noch andere Experten an dem „Projekt Fördermittel“ beteiligt – wie ein Architekt, der die Pläne für den Neubau der Stallungen erstellt hatte.

Wer sollte also für den Schaden geradestehen: Der Architekt, der in den Planungsunterlagen Pflicht-Vorschriften nicht umgesetzt hatte? Der Landwirt selbst, weil er die Unterlagen zu spät eingereicht hatte (was Niemand außer ihm selbst hätte tun können)? Oder der Consultant, der entsprechende Handlungsanweisungen nicht gegeben hatte?

Fragen, mit denen sich nun die Schadenspezialisten des Consulting-Haftpflichtversicherers auseinandersetzen, bei dem der Berater eine Berufshaftpflicht abgeschlossen hatte. Sie machten sich daran, die persönliche Haftungssituation des Consultants sowie die Höhe der tatsächlich berechtigten Ansprüche zu klären.

Im Schadenfall kommt der Consulting-Haftpflichtversicher nicht nur für den am Ende tatsächlich zu zahlenden Schaden auf, sondern nimmt sich auch der Punkte an, die vorab juristischer Klärung bedürfen – und zwar auf seine Kosten.

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