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Interview mit Michael Rosenberg, Underwriter der Hiscox

Michael Rosenberg Underwriter Hiscox„Diesen Punkt muss ich noch mit einem Underwriter des Versicherers klären.“ Wenn ich diesen Satz meinen Kunden sage, werde ich von ihnen häufig gefragt was denn eigentlich ein Underwriter macht. Für mich als Versicherungsmakler ist der Begriff „Underwriter“ selbstverständlich. Bei Privatversicherungen spielen Underwriter kaum eine Rolle, da es sich hierbei oft um Standardgeschäft mit festen Tarifen handelt. Gerade aber im Geschäft der Spezialversicherungen und Produktentwicklungen so wie ich es betreibe, arbeitet man eng mit Underwritern zusammen.

So wie ich mit Michael Rosenberg, Underwriter bei der Hiscox. Wir treffen uns im 14-tägigem Rhythmus, um aktuelle Versicherungsanfragen und gemeldete Schadenfälle zu besprechen, und natürlich gemeinsam die Entwicklung und Umsetzung neuer Versicherungskonzepte auf den Weg zu bringen.
Bei einem unserer letzten Treffen habe ich ihn gebeten, mir etwas mehr über seinen Beruf als Underwriter für die rgBlog-Leser zu erzählen. Dieser Bitte ist er sehr gerne nachgekommen.

Herr Rosenberg, was versteht man unter einem Underwriter und was sind seine Aufgaben?

Früher bezeichnete man diese Tätigkeit zum Beispiel auch als Spartenspezialist. Im Zuge der Internationalisierung spricht man heute vom Underwriter (UW). Der UW bewertet Risiken für seine Sparte an Hand von Risikoprofilen des Versicherungsnehmers, die er entweder selbst unmittelbar beim Versicherungsnehmer erstellt oder über den Versicherungsmakler erhält.

Auf Basis dieser Bewertung wird dann das Risiko tarifiert und ein Angebot mit den dazugehörigen Versicherungsbedingungen und dem Vertragsentwurf erstellt. Bei Abschluss des Versicherungsvertrages veranlasst der UW die Dokumentierung des Vertrages und verhandelt während der Laufzeit alle Änderungen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Meldung von Risikoerhöhungen
  • Veränderungen der Versicherungsbedingungen
  • Überprüfung von Verträgen des Kunden, die dieser mit seinem Abnehmer abschließt
  • Übereinstimmung mit der vereinbarten Versicherungsdeckung etc.

Oft befassen sich UWs auch mit der Produkt- und Tarifentwicklung und mit der vertrieblichen Betreuung von Versicherungsmaklern. Insgesamt ist es eine vielfältige Tätigkeit, bei der man unter Umständen mit allen Bereichen eines Versicherungsunternehmens Berührung hat, auch beispielsweise Marketing, Rückversicherung und vieles mehr.

Als Underwriter würde ich natürlich immer sagen, das Underwriting ist das Herz der Versicherungsgesellschaften.

Wie ist der Begriff Underwriter entstanden?

Der im 17. Jahrhundert entstandene Begriff des Underwriters stammt aus England und ist auf Geschäftspraktiken in einem Kaffeehaus zurückzuführen. 1688 führte Edward Lloyd ein bekanntes Kaffeehaus in der Londoner City, in dem regelmäßig Kaufleute, Reeder, Bankiers und Versicherungsmakler zu informellen Geschäftsgesprächen zusammenkamen.

Diese Geschäftsleute waren bereit, gegen angemessene Prämien (Beiträge) ihr Privatvermögen für die Übernahme von Schifffahrtsrisiken einzusetzen, z. B. für den Verlust der Ladung (durch Seeräuberei) bis hin zur Zerstörung des Schiffes. Dabei gingen die Reeder von Geschäftsmann zu Geschäftsmann, um eine Deckung für ihr Risiko zu „sammeln“. Die Geschäftsmänner beteiligten sich, indem sie einen Prozentsatz angaben und unterschrieben („to underwrite“). So entstand der Begriff des „Underwriters“.

1769 gründete dann eine Gruppe von Privatiers das „New Lloyd’s Coffee House“, woraus sich die Firma Lloyd’s of London entwickelt hat. Auch Hiscox ist heute ein wesentlicher Bestandteil dieses größten Versicherungsmarktes der Welt.

In welchen Versicherungssparten werden Underwriter benötigt?

In der Regel immer da, wo es um komplexe Vorgänge und möglichst viel Sachverstand geht. Im standardisierten Privatkundengeschäft wird selten von Underwriting gesprochen, gleichwohl findet hier derselbe Vorgang statt. Die Funktion eines Underwriters übernimmt hier der jeweilige Sachbearbeiter der Versicherung, dem der Antrag zur Policierung zugeht. Teilweise kann auch der Generalagent vor Ort (zumindest teilweise und bis zu bestimmten Deckungssummen) entscheiden.

Insbesondere im Geschäft mit Industrie- bzw. allgemein Großrisiken kommt dem Underwriting seine eigentliche Bedeutung zu. Es werden – je nach zu versicherndem Risiko, Bereich und Schaden – umfangreiche Gutachten angefertigt und mögliche Schadenszenarien durchgespielt. Die hierfür eingesetzten Underwriter bei Industrie- sowie Rückversicherungsgesellschaften sind in der Regel Spezialisten wie beispielsweise Ingenieure, Geologen, Umweltspezialisten, Juristen, Aktuare etc.

In Teil 2 „Was macht eigentlich ein Underwriter? Zusammenspiel zwischen Versicherung und Rückversicherung“ lesen Sie nächsten Donnerstag wie Rückversicherer das Schadenrisiko reduzieren und die Abwicklung im Schadenfall erfolgt.

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