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Das Licht geht aus, die Musik setzt ein. Mit dem ersten Takt zeigt sich das erste Model. Bass vibriert durch die Halle, im Rhythmus der Musik wippt die neueste Fashion über den Laufsteg, das Publikum ist begeistert. Die Show – ein voller Erfolg. Doch hinter der perfekten Fassade bröckelt es gewaltig, denn zumindest bei der Verwendung der Musiktitel ging es nicht mit rechten Dingen zu – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Weil ein Dienstleister bei der multimedialen Inszenierung einer Modenschau unter anderem einen Rocksong von „The Doors“ verwendet hatte, wurde er zur Kasse gebeten. Mehr als 60.000 Euro Lizenzgebühren forderte der Musikverlag wegen der Urheberechtsverletzung…

60.000 Euro Schadenersatzforderung, weil ein Dienstleister einen Rockklassiker für eine Fashionshow verwendet hatte. Risiken im New Media Business.

Nicht die Models auf dem Laufsteg, sondern ein Dienstleister stolperte über einen Rockklassiker von „The Doors“, den er für die multimediale Aufbereitung einer Fashion-Show verwendet hatte. Eine klassische Uhrheberrechtsverletzung, die am Ende mehr als 60.000 Euro kosten sollte…

Passend zur Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin, auf der sich derzeit die Größen der Fashionbranche ein modisches Stelldichein geben, bin ich im Schadenarchiv meines Portals über einen Fall gestolpert, der zeigt, wie schnell es im New Media Business zu Urheberrechtsverletzungen kommen kann. Darum geht es diese Woche auf meinen Blog – und auf welche Hintertürchen der Versicherer Ihr achten sollten, wenn es um die Absicherung von Rechtsverletzungen geht.

Eine Fashionshow – viele mediale Kanäle        

Die ganze Geschichte: Von einem Konzern aus der Modebranche war ein Dienstleister damit beauftragt worden, deren Fashionshow mit Musik zu unterlegen. Multimedial angelegt sollte er die komplette Show zudem für den Webauftritt sowie die Shops seines Kunden aufbereiten.

Ein ehrgeiziges Projekt, dass der Freiberufler mit Lifestreams der Show umsetze, die auf der Homepage des Modekonzerns angeklickt werden konnten. Zudem erstellte er DVDs der Show, die weltweit an dessen Filialen geschickt und dort für alle Kunden auf TV-Screens abgespielt wurden.

Um auf Nummer sicher zu gehen, was die kommerzielle Nutzung der Songtitel angeht, meldete der Dienstleister die Verwendung bei der GEMA an. Damit dachte er, die Nutzungsrechte seien ausreichend abgeklärt. Ein teurer Irrtum, wie sich herausstellen sollte…

Statt GEMA meldet sich Musikverlag mit Fragenkatalog             

Allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt. Wie das so ist, wenn die Zeit drängt: Von der GEMA kam erst einmal das Schreiben, dass die Abklärung der Rechte zur Nutzung, Vervielfältigung und Verbreitung etwas dauern würde. Bis dahin warten konnte der Dienstleister allerdings nicht.

Nach Abschluss seines Projekts bekam er endlich Post – allerdings nicht von der GEMA, sondern von einem Musikverlag. Der schickte einen Fragenkatalog und wollte detailliert wissen, in welcher Art und Länge er bestimmte Musiktitel verwendet hatte.

Als der Dienstleister antwortete, er habe die Verwendung der Titel bereits bei der GEMA angemeldet und sie überdies längst für seine Dienstleistung genutzt, setzte er damit die „Abmahnlawine“ in Gang.

Was der Freiberufler nicht wusste: Nicht alle Urheberrechte im Zusammenhang mit Musik werden alleine von der GEMA verwaltet. Zwar übernimmt die Gesellschaft die Klärung des Verwendungsrechts – allerdings sind es die Rechteinhaber selbst, die entscheiden, ob sie mit dem, der ihre Musik verwenden will, direkt in Kontakt treten oder diese Rechte stellvertretend durch die GEMA berechnen lassen. Diese Rechteinhaber können Musikverlage, Komponisten, Plattenalben etc. sein.

Mehr als 60.000 Euro Forderung: „The Doors“-Song widerrechtlich verwendet

Und als ob das nicht schön ärgerlich genug wäre, hatte der Dienstleister als einen der Titel nicht nur irgendeinen Song, sondern ausgerechnet einen DER Rockklassiker verwendet: den „The Doors“-Titel „Riders on the Storm“.

27.890 (!!!) Euro Schadenersatz forderte der Musikverlag für dessen Verwendung für eine Dauer von gerade mal 426 Sekunden. Zudem setze er bei Zuwiderhandlung eine Vertragsstrafe von 15.000 Euro auf.

Dazu addierten sich die Forderungen für vier weitere Titel. Zwar war die dafür als Schadenersatz geforderte Lizenzgebühr nicht ganz so hoch, wie für den Doors-Songs, dennoch standen am Ende mehr als 60.000 Euro für die nicht genehmigte Verwendung von fünf Musiktiteln im Raum.

Kosten, die sich noch weiter auf die Spitze treiben lassen könnten: Grundsätzlich ist es möglich, dass mehrere Urheber die Rechte an einem Werk haben – und Urheberrechtsverletzungen separat voneinander verfolgen. Neben dem Musikverlag könnten also auch noch andere Rechteinhaber Schadebersatzforderungen geltend machen.

Berufshaftpflicht und Rechtsverletzungen: Vorsicht vor Hintertürchen

Der Schadenfall – und vor allem dessen horrende Schadenskosten – zeigen, wie schnell die Rechte von Dritten verletzt werden können und was das im Einzelfall für den Dienstleister bedeutet kann. Ein Risiko, dem Webdesigner, Internet-Agenturen und alle anderen Freiberufler im New Media Business zwangsläufig ausgesetzt sind, indem sie bei Bild und Ton häufig auf fremde Inhalte (= Werke von Dritten) zurückgreifen müssen.

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, dass eine bedarfsgerechnet Berufshaftpflicht in diesem Zusammenhang wichtigen Schutz bieten kann. Doch was bedeutet „bedarfsgerecht“ eigentlich genau? Das will ich in aller Kürze auf den Punkt bringen, indem ich über „Hintertürchen“ im Versicherungsvertrag aufkläre:

Viele Versicherer setzen in ihren Bedingungen Unterdeckungssummen (sog. Sublimite) für bestimmte Teilrisiken fest, zu denen auch Rechtsverletzungen gehören können. Und das bedeutet nichts anderes, als dass diese Teilrisiken deutlich niedriger versichert sind. Beispielsweise lediglich mit 50.000 Euro – was im beschrieben Fall den Schaden des Dienstleisters nicht komplett decken würde.

Zudem machen einige Anbieter ihre Versicherungsleistung von einer vorhergehenden Prüfung durch Rechtsanwälte abhängig. Eine Forderung, die sich in der Praxis allein schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen (Stichwort: Auftragskalkulation) schwerlich umsetzen lässt.

Deshalb: Augen auf auch beim „Versicherungskauf“ – und vor Abschluss der eigenen Berufshaftpflicht den Vertragstext genau durchlesen.

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