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3,2 Milliarden Dollar hat Google gerade erst für die Übernahme des Thermostat- und Feuermelderherstellers „Nest Labs“ hingeblättert. Jetzt legt ein gefährlicher Softwarefehler den Verkauf lahm: Fehlalarme können beim interaktiven Rauchmelder „Nest Protect“ einfach mit Handzeichen abgestellt werden. Dadurch kann versehentlich auch der generelle Alarm ausgeschaltet werden – Bewohner würden erst mit Verzögerung gewarnt. Die Google-Tochter hat deshalb die Funktion deaktiviert, den Verkauf gestoppt und eine Rücknahmeaktion gestartet. Das wird teuer!

Ein Softwarefehler zwingt Google-Unternehmen zum Verkaufstopp seiner Rauchmelder. Der mediale Supergau auf die Praxis herunter gebrochen: Wie sich IT-Dienstleister bei Fehlern und Schäden schützen können.

Ein Softwarefehler zwingt Google-Tochter Nest Labs zum Verkaufstopp ihrer Rauchmelder. Wie sich IT-Dienstleister gegen Haftungsansprüche schützen können.
© Bild: „Nest Labs“

Wenn eine Innovation durch einen Softwarefehler zum teuren Supergau wird – und weltweit die Medien berichten: Um dieses Thema geht es diese Woche auf meinem Blog. Dabei breche ich den Fall auch auf die Praxis herunter und erkläre, wie ihr Euch als IT-Dienstleister gegen Haftungsansprüche bei Softwarefehlern absichern könnt und worauf Ihr dabei achten müsst.

Softwarefehler bei Rauchmelder von Google-Tochterunternehmen

Wie viele dieser Rauchmelder bereits verkauft wurden ist zwar nicht bekannt, eines der interaktiven Modelle kostet aber immerhin 130$. Und so liegt die Vermutung nahe, dass der Schaden nicht gerade gering ausfallen wird. Zumal der CEO von „Nest Labs“ angekündigt hat, dass ein Softwareupdate frühestens in zwei bis drei Monaten verfügbar sein wird.

Doch wer ist in solch einem Fall nun für den Schaden verantwortlich? Ich habe regelmäßig Schadenfälle auf meinem Schreibtisch, bei dem der Auftraggeber den IT-Dienstleister, bei Software- oder Programmierfehlern, für die entstandenen Kosten in Haftung nehmen will.

Wie können sich freiberufliche IT-Dienstleister schützen?

Hier lautet das Stichwort „Berufshaftpflicht“. Aber Achtung: Eine solche Absicherung muss auf die Bedürfnisse von IT-lern zugeschnitten sein. Besonders wichtig ist dabei, dass Eure IT-Haftpflicht Vermögensschäden abdeckt – also Schäden, bei denen Ihr weder einer Sache noch einer Person einen direkten Schaden zugefügt habt, durch Euren Fehler jedoch einem Dritten ein finanzieller Schaden entstanden ist.

Wenn wir nochmal an den Rauchmelder-Fall denken: Hier hat die Firma Nest Labs einen finanziellen Schaden, sprich Vermögensschaden erlitten – und zwar nicht zu knapp. Verkaufsstopp, Reparaturkosten, Imageverlust, evtl. Kosten für Krisenmanagement, etc…

Mit der „All-Risk-Deckung“ auf der sicheren Seite

Ein guter Berufshaftpflicht-Versicherer folgt dem Prinzip der „All-Risk-Deckung“, der Gegensatz dazu nennt sich „Katalogdeckung“.

Durch die „All-Risk-Deckung“ sind alle Risiken abgedeckt, die Ihr als IT-Dienstleister habt, Ausnahmen sind explizit in den Bedingungen aufgeführt. Wendet ein Versicherer jedoch das Prinzip der Katalogdeckung an, ist wirklich nur das versichert, was im Vertrag wortwörtlich drin steht. Passiert dann ein Schaden, durch Tätigkeiten bzw. Risiken, die Ihr nicht im Vertrag stehen habt, kann euch der Versicherer die Leistung verweigern.

Keine Experimentier- oder auch Erprobungsklausel in der IT-Haftpflicht

Und es gibt ein weiteres Hintertürchen in den Bedingungen, vor dem ich gerne warnen möchte. Es hört auf den Namen Experimentier beziehungsweise Erprobungsklausel: Hier haftet der Versicherer nicht, wenn das Produkt (zum Beispiel die Software) „nicht ausreichend getestet wurde“.

Doch was bedeutet gerade im Softwarumfeld „ausreichend“ getestet? Diese Formulierung ist dehnbar und sorgt damit für Rückzugsmöglichkeiten: Im Zweifel kann sich der Berufshaftpflicht-Versicherer nämlich darauf berufen, es wäre nicht ausreichend getestet worden.

Stand-der-Technik-Klausel? Besser nicht!

Ein weiterer Stolperstein ist die Stand-der-Technik-Klausel, die sich in dem ein oder anderen Bedingungswerk „versteckt“. Der Versicherer macht dabei den Versicherungsschutz von der Arbeitsqualität nach der abstrakten Messlatte „Stand der Technik“ abhängig. Auch hier ist die Formulierung so gehalten, dass ein großer Interpretationsspielraum bleibt. Besser Ihr sucht Euch also einen Berufshaftpflicht-Versicherer, der auf diese Klausel verzichtet.

Fazit: Der Fall der Google Rauchmelder zeigt, dass schon kleine Fehler bei IT-Dienstleistungen nicht nur schwerwiegende, sondern auch teure Folgen haben können. Mit einer Berufshaftpflicht könnt Ihr verhindern, dass Euch diese Fehler die Existenz kosten. Doch der Blick ins Kleingedruckte lohnt sich. Bei Experimentier-, Erprobungs- oder Stand-der-Technik-Klauseln in den Bedingungen empfehle ich Dienstleistern deshalb: Finger weg und einen besseren Versicherer suchen! 🙂
Update 17.06.2014: Ziemlich genau zwei Monate nachdem Nest Lab den Verkauf des Rauchmelders medienwirksam eingestellt hatte, geht das gute Stück nun wieder in den Verkauf. Der „Witz“ an der Geschichte: Das Problem mit der Funktion „Nest Protect“ (deshalb wurde der Verkauf ja in erster Linie eingestellt) besteht noch immer – das versprochene Softwareupdate steht nach wie vor aus. Die Lösung des Google-Tochterunternehmens: Kurzerhand ist ab sofort bei allen verkauften Rauchmeldern die Funktion ab Werk deaktiviert – dafür kostet das Gadget nun gut 25% weniger. Damit ist und bleibt der  Softwarefail ein teurer Kostenfaktor – zumindest für die Google-Tochter.

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