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Das Projekt hat längst begonnen. Sogar die in Auftrag gegebene Software hat der IT-Dienstleister schon programmiert. Dann das böse Erwachen: 30.000 Mitgliederausweise funktionieren nicht. Ein Fehler, der eindeutig auf die Kappe des IT-Dienstleisters geht. Doch: Er hatte seine IT-Berufshaftpflicht erst mitten im Projekt abgeschlossen. Und auf einmal stehen 23.000,00 Euro Schadenersatzforderung im Raum … Ein Fall, wie er mir in meinem Berufsalltag als Versicherungsmakler auch schon begegnet ist.

Und am Ende funktionieren 30.000 Mitgliedsausweise eines Sportverbands nicht… Ein Problem, denn der IT-Dienstleister programmierte bereits an der Software, als er die IT-Berufshaftpflichtversicherung abschloss. Warum er trotzdem nicht auf seinem Kosten sitzen blieb und was das mit der Vorumsatzdeckung in den Versicherungsbedingungen zu tun hat – darum geht es im fünften Teil der IT-Schadenserie.

Das Projekt hat schon begonnen, als der IT-Dienstleister seine IT-Berufshaftpflichtversicherung abschließt. Warum es im Schadenfall auch auf die Vorumsatzdeckung ankommt.

Unter dem Motto „Aus der Praxis inspiriert“ nehme ich in dieser Serie typische Schadenfälle aus der IT-Branche unter die Lupe. Dabei geht es mir vor allem um deren umfassende Absicherung, damit IT-Dienstleister trotz Versicherung nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben. Warum der Eintrittszeitpunkt des Schadens eine große Rolle spielt und die Vorumsatzdeckung in den Versicherungsbedingungen so wichtig ist – darum dreht sich der fünfte Teil.

Software von 30.000 Mitgliedsausweise funktioniert nicht: Extrakosten von 23.000 Euro

Die ganze Geschichte des Schadenfalls: Der IT-Dienstleister hatte für einen großen deutschen Sportverband eine spezielle Software programmiert. Damit wollte der Verband Mitgliedsausweise mit einem ganz besonderen Clou erstellen: Das aufgedruckte Hologramm konnte personalisiert und mit individuellen Berechtigungen für die einzelnen Mitglieder versehen werden.

Die ersten drei Monate funktionierte das ohne Probleme. Doch dann wurde klar: Irgendwas war gehörig schiefgelaufen. Denn die Berechtigungen auf insgesamt 30.000 Ausweisen waren falsch vermerkt. Ein Fehler, der eindeutig auf die Kappe des IT-Dienstleisters ging.

Es kam, wie es kommen musste: Alle Ausweise wurden neu produziert und an die Mitglieder verschickt. Ein Aufwand, der mit Extrakosten in Höhe von 23.000 Euro zu Buche schlug. Eine Summe, die der Sportverband nun natürlich von dem IT-Dienstleister zurückforderte. Schließlich hatte er ja auch die entsprechende Kennzeichnungsroutine in der Software „verbockt“.

Die IT-Berufshaftpflicht sollte Vorumsätze mitversichern

Doch wie wird dieser Fall nun von Seiten des Versicherers gehandhabt? Zur Erinnerung: Der IT-Dienstleister war bereits mitten in der Programmierung der Software, als er seine IT-Berufshaftpflicht abschloss.

Aus versicherungstechnischer Sicht ergeben sich daraus zwei Antworten:

  • Es gibt IT-Berufshaftpflicht Versicherungen, die nicht zahlen würden, wenn der überwiegende Teil der Leistung vor dem Abschluss der Versicherung erbracht wurde.
    In ihren Versicherungsbedingungen wird auf die sogenannte Vorvertraglichkeit verwiesen. Das bedeutet: Leistungen, die außerhalb des Versicherungszeitraumes erbracht wurden, sind nicht versichert.
  • Und es gibt IT-Berufshaftpflicht Versicherungen, die zahlen – auch wenn Leistungen bereits vor Versicherungsbeginn erbracht wurden. In ihren Versicherungsbedingungen kommt die sogenannte Schadenereignistheorie zum Tragen. Ein wichtiger Punkt. Denn demnach sind auch Vorumsätze versichert – und damit Tätigkeiten und Leistungen, die vor dem Versicherungsbeginn erbracht worden sind.
    Der Zeitpunkt, an dem der Schaden eintritt, ist also maßgeblich. Wann der Schaden verursacht wurde, spielt keine Rolle. Im Versicherungsjargon nennt sich das die Vorumsatzdeckung.

In meinem Praxisfall hatte der IT-Dienstleister eine IT-Berufshaftpflicht, die eine Vorumsatzdeckung beinhaltete. Der Schaden wurde daher vom Versicherer übernommen.

Experimentier- und Erprobungsklauseln

Doch noch ein zweiter Punkt in den Versicherungsbedingungen hätte dem IT-Dienstleister erhebliche Probleme bereiten können. Es stellte sich nämlich heraus, dass es nur einen kleinen Fehler im Programm mit einem Datumsfeld gab, der zur falschen Kennzeichnung der Ausweise führte.

Einige IT-Berufshaftpflichtbedingungen enthalten allerdings die sogenannten Experimentier- und Erprobungsklauseln. Sie schließen Schäden vom Versicherungsschutz aus, die entstanden sind, weil

  • Produkte und Leistungen, wie eine Software, nicht ausreichend erprobt waren,
  • Produkte und Leistungen nicht dem Stand der Technik entsprachen, oder
  • Software nicht wie üblich und nicht angemessen getestet wurde.

Wäre einen derartige Klausel in den Versicherungsbedingungen vereinbart gewesen, hätte der Versicherer durchaus genügend Ansatzpunkte gehabt, dem IT-Dienstleister nicht ausreichende Erprobung oder nicht angemessene Programmtests vorzuwerfen – und damit die Zahlung zu verweigern.

Ich halte daher diese Klauseln – welche sich meist im Dschungel der Versicherungsbedingungen „verstecken“ – für sehr gefährlich.

Fazit:IT-Dienstleister sollten keine IT-Berufshaftpflicht-Verträge mit Experimentier- und Erprobungsklauseln abschließen.
Vorteilhaft ist zudem, wenn in den Versicherungsbedingungen die Schadenereignistheorie geregelt ist (Stichwort: Vorumsatzdeckung). Das zeigt auch das beschriebene Beispiel: Weil der Schaden eintrat, als der IT-Dienstleister bereits versichert war, übernahm der Versicherer auch die Kosten dafür. Aufgrund der Vorumsatzdeckung spielte es keine Rolle, dass er die Leistung, die zum dem Schaden führte, schon vor Versicherungsbeginn erbracht hatte.

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