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Wenn Berater Berater beraten…. Eigentlich wollte ich diesen Satz so stehen und einfach wirken lassen. Doch hinter der zugegeben etwas bösen Aussage steckt ein so typischer Schadenfall aus dem Beratungsumfeld, dass ich ihn Euch nicht vorenthalten will: Weil die Dienste eines Consulting-Unternehmens einem SAP-Beratungshaus nicht den erhofften Projektzuschlag in den USA brachten, stand am Ende die saftige Summe von 70.000 Euro an Anspruchsforderungen im Raum. Ein Fall der zeigt, dass Consultants entgegen anderslautenden Meinungen sehr wohl für die Richtigkeit ihrer Beratung, Analysen und Handlungsempfehlungen haftbar gemacht werden können – inklusive Schadenersatzforderungen.

Wenn Berater Berater beraten: Weil die Dienste eines Consulting-Unternehmens nicht den erhofften Projektzuschlag brachten, forderte der Kunde 70.000 Euro Schadenersatz.

Wenn Berater Berater beraten: Weil die Dienste eines Consulting-Unternehmens nicht den erhofften Projektzuschlag brachten, forderte der Kunde 70.000 Euro Schadenersatz.

Warum dagegen auch kein Dienstvertrag schützt, was das mit der sogenannten „Schlechtleistung“ zu tun hat und warum eine gute Berufshaftpflicht für freiberufliche Consultants und Berater nicht auf den Baustein „Vermögensschadenhaftpflicht“ verzichten kann – darum geht es diese Woche auf meinem Blog.

Kunde verärgert: Beratung bringt nicht den gewünschten Projektzuschlag

Der ganze Fall: Ein SAP-Beratungshaus beauftragte ein externes Consulting-Unternehmen, um seine Geschäftsentwicklung voranzutreiben. Ziel: Das Consulting-Unternehmen hatte gute Kontakte zu einem global aufgestellten Automotiv-Konzern. Dort wollten die Berater den SAP Dienstleister als Lieferant positionieren. Insbesondere ging es dabei um Unterstützung und Coaching im Bewerbungsprozess für eines der großen Werke des Konzerns in den USA.

Dabei war die Wahl nicht ohne Grund auf gerade dieses Consulting-Unternehmen gefallen. Einer dessen Consultants hatte als ehemaliger Manager des Konzerns hilfreiche Kontakte und Hintergrundinformationen, auf die man für die Projektverhandlungen zurückgreifen wollte.

Doch der gewünschte Erfolg blieb aus. Als einer der Berater des SAP-Dienstleisters für die Verhandlungen persönlich in die USA reiste wurde klar: Ein so großes und umfangreiches Geschäft wie erwartet, würde nicht zustande kommen – nach Aussage des Konzerns gab es aktuell kein Großprojekt. Aus Sicht des Consulting-Unternehmens ein normales Vorgehen, da neue Lieferanten oft erst mit einem kleinen Auftrag getestet werden. Am wichtigsten sei es, erst einmal den „Fuß in die Tür“ zu bekommen.

Der SAP-Dienstleister nahm deshalb zwar an der Ausschreibung für ein kleineres Projekt teil, hielt sich bei den Stundensatzverhandlungen allerdings nicht an die Empfehlungen des Consulting-Unternehmens. Und am Ende stand er mit leeren Händen da.

70.000 Euro Schaden: Kunde nimmt Consulting-Unternehmen in Anspruch

Ein Ausgang, den das SAP-Beratungshaus wenig begeisterte – und ein Schuldiger war schnell gefunden: Das beauftragte Consulting-Unternehmen, das schließlich den Erfolg versprochen hätte – so zumindest die Sichtweise des Kunden.

Wenig später erreichte das Consulting-Unternehmen ein Forderungsschreiben vom Anwalt seines Kunden inklusive Anspruchsstellungen. Das SAP-Beratungshaus forderte das Honorar zurück, das sie bis dahin für die Beratungsleistung bezahlt hatten. Zudem verlangte es nach Entschädigung für seine vergeblichen Aufwendungen – unter anderem die Reisekosten in die USA. Insgesamt beliefen sich die Forderungen auf die saftige Summe von 70.000 Euro.

Dienstvertrag schützt nicht vor Haftung und Inanspruchnahme

Der eine oder andere von Euch mag sich nun fragen: Und damit kommen die durch? Die Antwort lautet: Das spielt erst einmal keine Rolle. Denn mit der Schadenersatzforderung des Anwalts muss man sich eben auch qualifiziert auseinander setzen. Das bedeutet: Es fallen schnell eigene Kosten für Anwälte und das Kostenrisiko für einen eventuellen Prozess an.

Dabei stehen die Chancen für Anspruchsteller wie das SAP-Beratungshaus gar nicht so schlecht. Denn aus haftungsrechtlicher Sicht macht es allgemein keinen Unterschied, ob es sich bei der Dienstleistung um eine reine Beratungsleistung oder die „aktive“ Umsetzung bzw. Ausführung von Konzepten handelt. Wer einem Dritten einen Schaden zufügt, ist allgemein gesetzlich zum Schadenersatz verpflichtet.

Und um in diesem Zusammenhang noch mit einem weiteren Missverständnis aufzuräumen: Dabei spielt es zunächst auch keine Rolle, ob ein Dienst- oder Werkvertrag vorliegt. Bei Werkverträgen kann die Haftung z.B. für Garantien oder Gewährleistung noch weiter gehen. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass es bei Dienstverträgen keine Haftungsrisiken gibt.

So ergeben sich aus dem Berater- / Dienstleistervertrag für Consultants umfangreiche Pflichten, wie:

  • die Pflicht zur Einhaltung von Fristen und Terminen;
  • die Pflicht zur Vertraulichkeit, Geheimhaltung und zum Datenschutz;
  • Informations- und Hinweispflichten (z.B. Schutz von Rechten Dritter) sowie
  • die Kernpflicht zur „Experten-Leistung“, d.h. der Auftraggeber vertraut auf das Können des beauftragten externen Beraters.

Werden die oben genannten Pflichten nicht eingehalten oder nach den Vorstellungen des Kunden erfüllt, entsteht daraus ebenso Haftung, wie bei einem Werkvertrag.

Consulting-Haftpflicht deckt Schäden durch Beratungsfehler ab

Ein Haftungspotential, das deutlich macht, wie wichtig in der Praxis eine branchenspezifische Berufshaftpflicht (auch Consulting-Haftpflicht genannt) für Freiberufler und Selbständige im Beratungsumfeld ist.

Wichtigster Baustein der Consulting-Haftpflicht ist die sogenannte Vermögensschadenhaftpflicht. Sie deckt finanzielle Nachteile beim Kunden bzw. Auftraggeber durch Beratungsfehler (= Vermögensschäden) umfassend ab. Dazu gehört auch – um zum Beispiel zurückzukommen – die Übernahme der vergeblichen Aufwendungen des Kunden durch den Versicherer. Branchenüblich sind Deckungssummen zwischen 250.000 bis 2.000.000 Euro.

Doch die Berufshaftpflicht für Consulting-Unternehmen übernimmt im Rahmen der Schadenabwicklung auch noch eine weitere wichtige Aufgabe. Denn sie setzt sich mit der Gegenseite auseinander: Sie prüft, ob die Ansprüche an sich und natürlich auch die Höhe der Ansprüche überhaupt gerechtfertigt sind – und wehrt unberechtigte Ansprüche ab.

Bei unserem Praxisbeispiel gibt es sicherlich den einen oder anderen Punkt, der juristisch zu klären ist. Beispielsweise, ob der der Projektzuschlag tatsächlich seitens des Consulting-Unternehmens „versprochen“ wurde und in wieweit dessen Beratungsleistung zum „Scheitern“ bei der Ausschreibung geführt hat. Dabei übernimmt die Berufshaftpflicht die in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten für Anwälte, Gutachter, Zeugen und Gerichte. Diese Leistungskomponente nennt man auch Passiven Rechtschutz.

Noch ein Tipp zum Versicherungsumfang:Je nach Beratungsschwerpunkt sollte eine spezielle Consulting-Haftpflicht auch den Tätigkeitsbereich „Mergers & Acquisitions“ sowie „Interims Management“ abdecken.
Wer als freiberuflicher Berater viel mit Kunden vor Ort arbeitet (Stichwort: Coachings und Trainings) kann in die Consulting-Haftpflicht neben der elementaren Vermögensschadenhaftpflicht zudem eine Betriebshaftpflicht zur Absicherung von Personen- und Sachschäden einschließen.

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