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Her mit den Mandanten! Wer als Rechtsanwalt nicht die Chance hat in eine renommierte Kanzlei einzusteigen, muss besonders in der Anfangsphase viele Klinken putzen und alle Marketing-Register ziehen. Doch die Grenzen für Werbemaßnahmen sind für Rechtsanwälte besonders eng gesteckt und damit überschreiten innovative Kampagnen schnell den ohnehin schmalen wettbewerbsrechtlichen Grad. Wer als Anwalt erfolgreiches Marketing betreiben will, muss deshalb manchmal „um die Ecke denken“.

Gute Anwalts-Werbung? So geht’s!

Gute Anwalts-Werbung? So geht’s!

Best- und Worst-Practice Beispiele für Anwalts-Marketing schaue ich mir heute auf meinem Blog genauer an.

Anwalt und Werbung?

Wie ungewöhnlich darf Anwaltswerbung sein, welche Extreme können genutzt werden und wo liegen die Grenzen? Die Antwort auf diese Fragen liefern die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) und die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA).

§ 43b BRAO gibt vor:

„Werbung ist dem Rechtsanwalt nur erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist.“

Die BORA ergänzt in §6 unter anderem:

„Der Rechtsanwalt darf über seine Dienstleistung und seine Person informieren, soweit die Angaben sachlich unterrichten und berufsbezogen sind.“

In diesem engen rechtlichen Rahmen sind der Kreativität natürlich sehr enge Grenzen gesetzt. Real-Time-Marketing wie die berühmten Kampagnen des Autoherstellers SIXT? Keine Chance! Emotionale Werbung wie Coca-Cola? Vergiss es!

Unglücklich gewählte „Werbemittel“

Um aus diesem engen Korsett der Werbebeschränkung auszubrechen, müssen Anwälte auf der Suche nach neuen Mandanten immer kreativer werden. Leider bringt diese Kreativität nicht nur positive Ergebnisse, wie Ralf Zosel, Jurist und Spezialist für Mandatsaquise auf seinem Blog beschreibt.

Es wirkt fast so, als hätte der ein oder andere Anwalt Bewertungsportale als möglicherweise lohnende Werbeplattform für sich entdeckt. Ralf Zosel berichtet über eine Anwältin, die auf mehreren Bewertungsportalen teilweise gleichlautende (selbstverständlich nur überaus positive) Bewertungen erhalten hat.

So weit ist die Sachlage noch nicht allzu auffällig, doch bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die „Bewerter“ allesamt nur eine einzige Bewertung in den Portalen abgegeben haben – und zwar die für die Anwältin. Ralf Zosel schreibt dazu: „Oft ist es ja so, dass Nutzer Spaß am Bewerten finden und nicht nur ihren Anwalt, sondern auch den Friseur oder den Blumenladen bewerten.“

Damit soll niemandem etwas unterstellt werden, doch würde sich ein Anwalt tatsächlich Fake-Bewertungen schreiben bzw. schreiben lassen, so wäre dies nicht nur unethisch, zusätzlich, so Ralf Zosel, „läge (…) ein eklatanter Verstoß gegen Standesrecht vor.“

Kommentare als „Werbung“?

Eine ähnlich verwunderliche Beobachtung thematisiert auch Prof. Niko Härting auf dem Blog von CRonline. Der Rechtsanwalt schreibt über Kommentare zu Blogbeiträgen, die wie zufällig immer wieder eine bestimmte Anwaltskanzlei ins Gespräch bringen.

Bei genauerer Recherche fällt auf, dass ein und derselbe Kommentarschreiber in unterschiedlichen Blogs aktiv war und immer wieder auf die Seite der entsprechenden Kanzlei verweist. Die Kanzlei bezieht zu den Beobachtungen von Rechtsanwalt Härting Stellung und versichert mit dem Handeln des Kommentarschreibers nicht in Verbindung zu stehen.

Als Anwalt gute Werbung schalten?

Nachdem ich nun zwei schlechte Ideen für Anwalts-Werbung präsentiert habe, dürfen positive Beispiele natürlich auch nicht fehlen. Neben den klassischen Werbemitteln wie Zeitungsannoncen oder Inserate, ist das World-Wide-Web heute die erste Anlaufstelle für Mandanten auf der Suche nach einem Anwalt.

Doch wie sollen Anwälte in den vorderen Suchergebnissen erscheinen, wenn viele SEO und Werbemaßnahmen nicht BRAO- bzw. BORA-Konform sind?

Das Internet bringt gerade für Rechtsanwälte tolle Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen, ohne mit dem Standesrecht auch nur ansatzweise in Konflikt zu geraten. Denn Suchmaschinen lieben Expertenwissen und wer ist als Experte für juristische Themen besser qualifiziert als ein Rechtsanwalt?

Positive Beispiele für Anwalts-Werbung

Ein gutes Beispiel für gelungene „Werbung“ liefert zum Beispiel Rechtsanwalt Thomas Schwenke, er ist salopp gesprochen die Eierlegende-Experten-Wollmilchsau 😉 Neben einem Blog zu aktuellsten Themen, regelmäßigen Podcasts, einem starken Social-Media-Auftritt und einer eigene App ist Thomas Schwenke auch Buchautor. Thomas Schwenke hat alle Register gezogen, um sich als Anwalt ins Gespräch zu bringen. Keine klassische Werbung aber dafür umso wirkungsvoller!

Eine ähnliche Strategie verfolgt zum Beispiel auch die IT-Recht-Kanzlei in München. Hier finden besonders Onlineshop-Betreiber viele Informationen zu aktuellen Urteilen und Rechtsreformen. Die Kanzlei gibt auf ihrer Internetseite quasi einen Informationsvorschuss, indem rechtliche Themen unter die Lupe genommen und eingeschätzt werden. Im Ernstfall wird sich ein potenzieller Mandant sicherlich an die hilfreiche Seite der Kanzlei erinnern und vermutlich dort um Rechtsbeistand bitten. Die IT-Recht-Kanzlei hat sich die Nische des Onlinehandels gesucht und sich darin ein absolutes Expertenstanding erarbeitet. Wieder ohne klassische Werbung!

Aus den Beispielen in die Praxis

Rechtsanwalt Thomas Schwenke und die IT-Recht-Kanzlei haben sich unter anderem mit Blogs als Experten im Web etabliert, doch damit ist die Ideenliste noch lange nicht zu ende. Im eBook von exali.de haben beispielsweise die Kanzlei BPM legal, Volljuristin Yvonne Gasch und Rechtsanwalt Niklas Plutte die Gelegenheit genutzt, ihr Expertenwissen unter Beweis zu stellen.

Im Web – wie auch im analogen Business – wäscht eine Hand die andere. Sie wollen sich im Netz einen Namen machen? Bieten Sie ihr Wissen an! Ein weiteres gutes Beispiel: Gastartikel!

In regelmäßigen Abständen lade ich Experten ein, auf meinem Blog ein spezielles Fachthema zu behandeln, Fachanwalt Alexander F. Bräuer ist hier ein wirklich gern gesehener Gast. Ein Gastautor bekommt von mir Präsenz, mein Blog bekommt eine frische Ladung Expertenwissen und am Ende profitiert jeder.

Fazit: Anwälte sind in der Zwickmühle: Werbung ist zur Mandatsaquise unerlässlich. Wer auf sich aufmerksam machen will muss innovativ sein und auffallen, doch hier machen BORA und BRAO einen Strich durch die Rechnung. Deshalb haben sich einige Rechtsanwälte mit großem Erfolg andere legale Wege gesucht – nehmen Sie sich daran ein Beispiel! Eröffnen Sie einen Blog, bieten Sie ihr Wissen in Gastartikeln an, kommentieren Sie aktuelle Urteile und legen Sie Sich ein Social-Media-Profil für Ihre Kanzlei zu. Kanzleien können die ganz große Werbetrommel rühren, ohne dabei auf einfallslose Fake-Bewertungen zurückgreifen zu müssen.

Weiterführende Informationen:

15 Antworten auf “Rechtsanwälte aufgepasst: Wie gute Werbung funktioniert… und wie nicht”

  1. Michaela sagt:

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für den hilfreichen Artikel. Ich werde beim der nächsten Werbeaktion einige Tipps nutzen. Ich freue mich schon auf die Artikel von Fachanwalt Alexander F. Bräuer .

  2. Seidel sagt:

    Ich fand den Artikel nicht hilfreich. Als Anwältin kann ich sagen, dass ich schlicht keine Zeit habe, Artikel zu schreiben, geschweige denn, megalange Blogs zu schreiben. Alles was man schreibt muss korrekt sein und bedacht. Natürlich kann ich ohne Mandate tatsächlich seitenlange Kommentare verfassen, aber in dieser Situation war ich zum Glück noch nie. Ich wünschte mir eine weniger zeitaufwändige Form der Werbung, dafür zahle ich dann auch gerne etwas.

  3. Sehr geehrte Frau Seidel,
    schade, dass Sie den Artikel nicht hilfreich fanden. Sie haben sicherlich Recht, dass Werbung natürlich auch mit weniger Aufand, dafür aber mit größerem Budget geht. Ich denke da zum Beipsiel an Suchmaschinenwerbung oder klassische Print-Anzeigen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und jeder kann investieren was er möchte, Zeit oder Geld.

    Herzliche Grüße

    Ralph Günther

  4. Hallo zusammen,
    vielen herzlichen Dank für den spannenden und informativen Artikel. Es gibt unendlich viele Dinge zu beachten und es nicht leicht als Rechtsanwalt Werbung zu schalten. Der Artikel gibt einen super Überblick über Do’s and Don’ts.

  5. datenraum.de sagt:

    Ein sehr guter Post, der alles ausreichend zusammen fasst. Ich habe mich damals auch durch alle Anfänger-Guides gelesen bevor ich dann nutzliche Information gefunden habe. Sowas ist äußerst hilfreich! Es ist vor allem schön zu wissen, dass alle mal klein angefangen habe. Das ist zwar eigentlich klar, aber wird gern vergessen.

  6. Hallo,
    vielen Dank für Ihre netten Kommentare, das freut mich sehr, dass mein Artikel Ihnen weitergeholfen hat!
    Herzliche Grüße
    Ralph Günther

  7. Johanna Seibel sagt:

    Hallo zusammen,
    herzlichen Dank für den spannenden und informativen Beitrag zum Thema Rechtsanwalt. Bisher wusste ich nicht, dass es für Anwälte solch strenge Regelungen zum Thema Werbung gibt. Die Möglichkeiten scheinen sehr begrenzt zu sein.

  8. Hallo und danke für den informativen Beitrag.
    Interessant zu wissen, was die Anwälte alles beachten müssen.
    Meine Frau musste sich vor kurzer Zeit auch einen Anwalt suchen und musst sich genau informieren und sich für den richtigen zu Entscheiden. Auch die andere Seite hat somit immer viel zu beachten bei der Auswahl!
    LG Christoph

  9. Frank sagt:

    Hallo zusammen,
    dies ist ein sehr informativer Artikel.
    Ein guter Rechtsanwalt ist Rar.
    Über diese Thematiken habe ich oft nachgedacht.
    Es ist schwer gute Infos im Internet darüber zu finden.
    Dies wird mir bei meiner Recherche zu dieser Materie sehr weiterhelfen.
    Vielen Dank dafür.

  10. Bernd sagt:

    Auch für Anwaltskanzleien ist es wichtig durch gutes Marketing auf sich aufmerksam zu machen. Das sollte sich natürlich deutlich von der Konkurrenz abheben.
    Mit besten Grüßen,
    Bernd

  11. Pim sagt:

    Ich wusste nicht, dass es Legal war Werbung zu machen für einen Kanzlei. Ich hab mich schon oft gefragt wieso wir in Deutschland keine Amerikanischen Zustände haben. Ich kann mich vorstellen dass mit soviel Begrenzung es schwierig ist noch Kreativ zu sein.

  12. Hallo Pim,

    vielen Dank für deinen Kommentar!
    Beispiele, wie du als Anwalt trotzdem etwas „kreativ“ werden kannst, habe ich versucht in meinem Artikel zusammenzufassen. Ich hoffe ich konnte dir ein wenig Inspiration geben, auch wenn wir keine amerikanischen Verhältnisse haben 🙂

    Liebe Grüße,
    Ralph

  13. Hildegard sagt:

    Vielen Dank für die aufklärenden Worte über Anwaltswerbung. Das hat mir als Nutzer, der auf der Suche nach einem Rechtsanwalt für Erbrecht in Wohnnähe unterwegs ist, weitergeholfen. Jetzt weiss ich, worauf man achten sollte, wenn ein Anwalt für sich wirbt.

  14. Hallo Hildegard,
    vielen Dank für deinen netten Kommentar. Es freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte.
    VG Ralph

  15. Patrick sagt:

    Sehr guter Beitrag. Danke. Ist nicht leicht denn richtigen Heute zu finden. Tolle Tipps auf die man achten musste…

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